1952:
Durch den Korea-Krieg frisch verwitwet, versucht die Krankenschwester Claire
Donnelly, ihr in besseren Zeiten erstandenes Haus halten zu können.
In einem gesellschaftlichen Klima, dass selbst scheidungswillige ausgrenzt,
ist Claire entsetzt, als sie feststellen muss, dass sie in einem Moment
schwanger wurde, in dem sie Trost bei ihrem Schwager suchte. Claire kann
das Baby unmöglich behalten, darf es aber per Gesetz nicht abtreiben.
Trotz ihres Berufes kennt sie keine andere Möglichkeit, als sich in
verlassenen Häusern unsauberer Prozeduren zu unterziehen. Erleichtert
findet sie nach einem missglücktem Selbstversuch einen Arzt, der auch
Hausbesuchen zustimmt. Dieser hat es allerdings lediglich auf das Geld
abgesehen und kümmert sich weder um die Sterilisierung seiner Instrumente,
noch um die zurückbleibende, blutende Frau...
1974: Inzwischen ist Barbara Barrow mit ihrem Mann in das Haus eingezogen. Nachdem sie bereits vier Kinder in die Welt gebracht hat und nun endlich ihr Studium wiederaufnehmen möchte, wird sie erneut schwanger. Ein Kampf mit ihrer politisch bewussten Tochter entbrennt, der mit den neuen finanziellen Einschränkungen die eigenen Studienpläne davonschwimmen...
1996: Das Haus wurde in eine StudentInnen-Wohngemeinschaft umgebaut. Als Cristina Anez ihrem Freund, einem Familienvater in den 40ern, eröffnet, dass sie schwanger ist, beendet dieser die Affäre, bietet ihr als seinen Beitrag zur Lage Geld fuer die Abtreibung an. Cristina will kein Kind alleine großziehen und spielt mit dem Gedanken der Abtreibung, was die Freundschaft zu ihrer Mitbewohnerin Patti in Mitleidenschaft zieht. Als Cristina eine Entscheidung gefällt hat und zur Klinik fährt, gerät sie ins Kreuzfeuer der militanten Pro-Life Bewegung. Unter Polizeischutz werden sie und die für die Rechte der Frau kämpfende Dr.Thompson hineingeführt, die nicht aus übertriebener Vorsicht mit kugelsicherer Weste zum Arbeitsplatz fährt...
Von alledem sollte sich die geneigte LeserIn nicht abschrecken lassen, ist die filmische Umsetzung des Argument-Gegenargument-Kaleidoskops zum Thema Abtreibung der bis dato bedeutenste und eindrucksvollste Beitrag.
Dabei geht es nicht nur um Föten- vs. Frauenrechte, sondern auch um eine Gesellschaft, in der es schwierig ist, jemanden weiter zu achten, die sich anders als frau selbst entschieden hat. "Wie schaffen es die Leute nur, zu koexistieren?" wundert sich am einen Tag noch eine Mitarbeiterin der Klinik ueber den alltäglichen Umgang zwischen Klinikpersonal und den vor dem Gebäude campierenden Abtreibungsgegnerinnen. Wie schnell der Hass die Gewaltbereitschaft unter der Oberfläche hervorholt, soll der nächste Tag demonstrieren.
Haus der stummen Schreie ist das seltene Beispiel eines
feministischen Films, in dem erfahrene Hollywood-Stars vor das Publikum
treten. In einem Land, in dem Interessengruppen im Fernsehen für den
Verzicht auf Sex werben aber nicht für den Gebrauch von Verhütungsmitteln,
ja, in einem Land, in dem es in weiten Teilen verboten ist, Kondomautomaten
an Schulen aufzustellen, oder über die Möglichkeit einer Abtreibung
zu informieren, ist ein Film wie dieser wichtiger denn je.
Filmdaten:
Offizieller Link: Nicht vorhanden oder nicht bekannt.