Love Serenade
Einfühlsame und humorvolle Erzählung zweier
weißer Schwestern im australischen Nirgendwo, die sich auf einen
DJ aus der Großstadt stürzen.
Nicht nur die Technologie der 90er ist an dem Örtchen
Sunray, das seinem Namen alle Ehre macht, vorbeigegangen. Auch das verwertbare
Männer-Material hat sich für die Hurley-Schwestern erschöpft,
seitdem der Lover der älteren Vicky-Ann nicht mit seiner Kreissäge
hatte vernünftig umgehen können.
Da versetzt die Ankunft des neuen Nachbarn die Schwestern,
besonders Vicky-Ann, in helle Aufregung: Ken Sherry, der große DJ
aus Brisbane, zudem frisch geschieden. Diesen hingegen verschlug es ins
tiefe Landesinnere, um seine Midlife-Crisis mit Würde zu begraben.
Doch er hat die Rechnung ohne Vicky-Ann gemacht, in deren Augen bereits
ihr zukünftiger Ehemann nebenan eingezogen ist, dem sie fortan tagtäglich
ihre Kochkünste aufdrängt. Und so bekommt sie zunächst überhaupt
nicht mit, dass sich eine Affäre zwischen Ken und ihrer Schwester
Dimiti entwickelt...
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Die
Drehbuchautorin und Regisseurin Shirley Barrett hat ihr meisterliches
Können in der Zeichnung ihrer Charaktere bereits mit ihrem Spielfilm-Debüt
unter Beweis gestellt: die egozentrische und verwöhnte aber dennoch
irgendwie liebenswerte Vicky-Ann, die schweigsame, etwas unsichere Dimiti,
von der abrupt Wahrheiten und Taten hervorbrechen, die die ZuschauerInnen
dazu treiben, noch einmal tief durchatmen zu müssen und der schäbige
Frauenheld Ken, der trotz seines frauenverheizenden Handelns seine Würde
als Charakter nie verliert.
Wenn sich dann noch Melancholie mit schwarzem Humor paart, und die Kamera
aus ungewöhnlichen Perspektiven beachtenswerte Farben und Kontraste
hervorzaubert, fühlt sich das Publikum zu den Liebesballaden von Barry
White gut im Kino aufgehoben. Eine pikante Würzung verleiht der
stilvoll eingebrachte magische Realismus: Ken ist etwas "anders", was nicht
heißen soll, "homosexuell", wie Vicky-Ann sofort annimmt, sondern
dass der Großstädter einen besonders guten Draht zu den Fischen
offenbart. Spätestens seit dem Gruselklassiker House
sollte ein Schwertfisch an der Wand die ZuschauerIn zu erhöhter Aufmerksamkeit
verhelfen...
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Ein Gewinner eines Filmfestivals, hier für den besten Debüt-Film
in Cannes 1996, muss sich nicht automatisch an der Kinokasse auszeichnen.
Die Publikumsreaktionen von Sundance und Rotterdam lassen uns allerdings
zuversichtlich prophezeien.
ki, Rotterdam – Berlin
Foto ©: Miramax / by Elise Lockwood
gesehen während des:
26th International
Film Festival Rotterdam
ebenso gelaufen während
des:
Sundance Film Festival
1997
English
version
copyright:
Queer View, 23. April 1997