Leicht verdaulich
K.D. Lang
All You Can Eat
(WEA Music)
Die
1961 in Consort/Alberta (Kanada) geborene Kathy Dawn Lang lernte
schon mit 10 Gitarre spielen. Kaum beherrschte sie ein paar Griffe, schrieb
sie ihren ersten Song mit dem beziehungsreichen Titel „Hoping All My Dreams
Come True", den sie an die kanadische Sängerin Anne Murray
schickte. Nach Abschluß der Highschool beschloß sie Musik zu
studieren. Gerade 19, entdeckte sie die Country- und Western-Musik für
sich. Nach einem mißglückten Versuch in einer Band namens Dance
Party beschloß sie 1983 ihre eigene Band zu gründen, die Reclines.
Schnell gelangten sie über den lokalen Bekanntheitsgrad hinaus und
erhielten 1984 einen Vertrag mit einem Independent-Label zur Veröffentlichung
ihrer ersten Langrille betitelt „A Truly Western Experience". Nach
dem Erfolg dieses Albums unterschrieb Lang einen Solovertrag bei Sire Records
und gab ihr Major-Debut 1987 mit dem Album „Angel With a Lariat".
Kritiker, Käufer und Radio-DJs waren sich ausnahmsweise einmal einig,
da stellte sich erstmals eine Frau gegen jedwede Konvention der klassischen
Country- und Western-Musik. Lang ging in ihren Interpretationen weit über
die Grenzen des Traditionellen hinaus, indem sie Rockelemente ebenso einfließen
ließ, wie sie ihren Faibel für temporeiche Polkas und Mandolinen
auslebte. Für Country-Puristen schwer verdauliche Kost, zumal K.D.
auch von dem üblichen Outfit einer Country-Sängerin weit entfernt
war. So erinnerte ihr Haarschnitt beispielweise an den der Rocker aus den
50ern. Madonna´s Kommentar nach einer Show von K.D.: „I´ve
seen Elvis and she is gorgeous!"
1988 wurde dann „Shadowland" veröffentlicht. Lang hatte das Album in Nashville - dem Country-Mekka - mit Sessionmusikern eingespielt. Produzent Owen Bradley hatte bereits mit Patsy Cline - ein großes Vorbild für K.D. - zusammengearbeitet. Ein Jahr später gab es dann für „Torch And Twang" den zweiten Grammy. Den ersten hatte sie 1988 für „Crying", ein Duett mit Roy Orbinson, ergattert.
Ihr Filmdebut gab sie in Percy Adlon´s 1991er Feature Salmonberries, woran sich ihr Beitrag zum Soundtrack zu Wim Wenders Bis ans Ende der Welt anschloß: ein Duett mit Jane Siberry mit dem Titel „Calling All Angels".
Anfang der 90er erschien dann ihre nunmehr fünfte LP „Ingénue", die vor allem Balladen über „the pain of love", so K.D., enthielt, und die Kritiker nicht gerade zu Begeisterungsstürmen hinriß. Auch der Soundtrack „Even Cowgirls Get The Blues" konnte an dei früheren Erfolge nicht so recht anknüpfen.
Aus den Ereignissen der vergangenen Jahre zog K.D. Lang schließlich ihre Konsequenzen und schlug mit „All You Can Eat" einen neuen Weg ein. „Für mich steht ´All You Can Eat´ für meine Übersättigung mit den vorgefertigten Idealen, die die Gesellschaft von Frauen hat, was Stars sind, was Männer sind, was Musik ist, was Ruhm ist und was Liebe bedeutet. Ich kam an diesen Wendepunkt, schüttelte den Kopf und sagte: ´Moment mal" Ich fühle mich verarscht.´Ich habe genug von dem diesem amerikansichen was-ist-wichtig-Ding. Das ganze Wertesystem ist in sich falsch." Zuerst sei ihr neuestes Werk als eine Art Oper geplant gewesen, erzählte sie dem britischen Musikmagazin Q: „irgendwo zwischen Björk und Yma Sumac". Das Ergebnis ist zwar keine Oper geworden, kann sich aber dennoch hören lassen, obwohl von den Country-Einflüssen vorangegangener Alben nichts mehr spürbar ist. Das Themenspektrum der Songs umfaßt die ganze Palette einer Lovestory, vom ersten Flirt, der Unentschlossenheit, Begehren, Erfüllung und Schmerz. Sie läßt weder Sexualität aus, noch Selbstzweifel, Ruhm - es scheint fast so, als habe sie beschlossen gleich auf einen Schlag ein Statement zu ihrer gesamten Gefühlswelt abzugeben.
Anspieltips: „If I Were You", „Words of Love" und „I Want It All".
Claudia Hötzendorfer - Düsseldorf