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Großes Spiel - dramatische Torfolge / BFC im Mittelfeld variabler und geschmeidiger 7 Unglaube, Wolff, Hall, Bley führten Regie / Als Sammers Kräfte nachließen.../ Tolles Duell Pfeifer-Hall Der Chronist muß lange
zurückdenken, um ein Pokalspiel zweier DDR-Mannschaften von gleicher Qualität und sensationeller Torfolge wie die Dresdner Dynamo-Begegnung aus der Erinnerungskiste hervorzuholen. Auf schwerem Schneeboden, der fast völlig den
Lauf des Balls hemmte und den Spielern sichtbar die Kraft aus den Beinen zog, kamen beide Mannschaften ihren absoluten Möglichkeiten sehr nahe und lieferten sich einen dramatischen Kampf, der auch großer spielerischer Momente
keineswegs entbehrte. Der etwas größeren Wucht der Dresdener (immer wieder mit einer imponierenden Kulisse im Rücken) - raffiniert vom langen Sammer gesteuert - setzten die Berliner im Mittelfeld das geschmeidigere und
variablere Spiel entgegen.
Der vielleicht entscheidende Vorteil der Gäste dürfte darin zu finden sein. Die Organisation ihres Spiels verteilte sich auf mehrere Schultern (Unglaube, Wolff, Bley, Hall), während bei
Dresden im Endeffekt alles mit Sammer stand und fiel. Als Dresdens Nr. 8 nach etwa siebzig Minuten großen Spiels und bewundernswerter Laufarbeit kürzer treten mußte, zerfiel die Elf In ihre Einzelteile. Besonders kraß wurde das
in der Verlängerung sichtbar, als sich bis dahin von zwei gleichstarken, wenn auch völlig unterschiedlich operierenden Mannschaften, plötzlich die eine ganz eindeutig über die andere erhob. Auf beiden Seiten gab es in diesem
Kampfspiel wohl nur wenig Akteure, die bedeutend mehr leisten konnten, als sie an diesem trüben Mittwoch gezeigt haben.
Beim Sieger dürfte dies nur auf Skaba (der selbst unter Berücksichtigung der Bodenverhältnisse zu
oft die Beine des Gegners traf), Mühlbächer und Kochale (beide mit offensichtlichen Standschwierigkeiten) zutreffen. Direkte Ausfälle hatte auch Dresden nicht zu verzeichnen. Selbst Neuling May auf der rechten
Verteidigerposition zog sich mit Bravour aus der Affäre gegen einen Geserich, der laufstark und konzentriert wirkte wie lange nicht. Zu den Delikatessen des Spiels zählten die Duelle zwischen Pfeifer und Hall, die
Unentschieden, ja vielleicht mit Vorteilen für den Stürmer endeten. Damit wäre über die Leistung von Hall alles gesagt. Gegen Pfeifer, immer noch einer der cleversten Stopper im DDR-Fußball, hat lange ein Mittelstürmer nicht so
gut ausgesehen wie Hall. Es ist möglich, daß der enorme Kräfteverschleiß dieses Spiels für beide Mannschaften in der nächsten Punktspielrunde noch seine Auswirkungen zeigt.
SG Dynamo Dresden: Noske; May, Pfeifer, Prautzsch; Haustein, Hofmann; Hemp, Sammer, Engels, Kreische, Gumz BFC Dynamo: Bräunlich; Stumpf, Carow, Skaba; Mühlbächer, Unglaube; Bley, Wolff, Hall, Kochale, Geserich
0:1 Bley (50.) 1:1 Engels (60.)
2:1 Gumz (84.) 2:2 Hall (90.)
2:3 Kochale (99.) 2:4 Bley (104.) 3:4 Hofmann (114., Foulstrafstoß)
3:5 Wolff (120.)
Zuschauer: 10.000 Schiedsrichter: Glöckner (Leipzig)
Wolfgang Hempel, Neue Fußballwoche, 22.02.1966

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