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Bester der Läufer: Grüner / Viele Wünsche blieben offen Dynamo-Spieler in der Auswahl stärker Trainer Gyarmati: "Unsere Läufer vermochten ihre Aufgabe nicht annähernd zu erfüllen. Sie waren nicht in der Lage,
unserer insgesamt schwach spielenden Mannschaft den Rücken zu stärken, die für das Spiel so wichtige Mittelachse zu bilden. Herbert Maschke gab sich dabei noch Mühe, rackerte und setzte sich ein. Waldemar Mühlbächer dagegen
zeigte zuwenig Initiative, begnügte sich damit, den Ball abzuspielen, ohne sich dann für den weiteren Fortgang der Aktionen groß zu interessieren. Dabei muß ich aber hinzufügen, daß die anderen keineswegs besser als die Läufer
wirkten. Ich verstehe nicht, wie vor allem die Nationalspieler, die gegen Ungarn so stark waren, innerhalb so kurzer Zeit so nachlassen können."
Trainer Dittes: "Ich glaube, daß die Mannschaften gut
fahren, bei denen sich die folgende Praxis herausgebildet hat: Ein Läufer widmet sich vornehmlich Abwehraufgaben - allerdings nicht ausschließlich, sondern recht variabel Im Wechsel mit seinem Kameraden -, während der andere
mehr für das konstruktive Spiel tut, wobei ihm ein hängender Stürmer hilft. Wie gesagt, das soll keineswegs ein Schema sein, zur Schablone werden. Unser Spiel ist schöpferisch, dementsprechend muß man auch handeln. Im Prinzip
aber bin ich für eine solche Formation. Zweierlei glaube ich dadurch zu erreichen: Einmal ist die Deckung stabil, zum anderen aber lassen sich aus der Tiefe des Raumes überraschende Angriffe aufbauen und durchführen. Wir
versuchen das zu praktizieren, wohlgemerkt: versuchen! In manchen Spielphasen gelingt es uns dank Grüners Umsicht und Klugheit. Auch gegen Dynamo war das der Fall, aber nur manchmal. Vielleicht reichte die Kondition nicht ganz
aus. Unsere Spieler trachteten danach, das 1:0 zu halten, das war ein Fehler."
Kommentar: In ihren Einschätzungen zum Läuferspiel machen beide Trainer - insbesondere der des Gastgebers - so viele
Einschränkungen, daß diese Schlußfolgerung nicht sehr schwer fällt: Es war in dieser Schmuckkästchenanlage in Hohenschönhausen (ein Dank den Arbeitern des Sportforums!) keineswegs ein großartiges Spiel. Während Motor durch die
gefährlicheren Angriffe, eingeleitet durch Grüner, fortgesetzt durch Jura (aber viel, viel sauberer werden!) und abgeschlossen durch Matthes-Henschel, noch druckvoller wirkte, konnte Dynamo weniger überzeugen. Dorner ist eben
doch nur eine Notlösung auf der zentralen Sturmposition, trotz aller Mühe, die er sich gibt, Bley ist eifrig, doch ohne Linie, Klingbiel scheint nervös, ohne Herz, Schmidt gibt sich große Mühe, ihm gelingt manches, doch muß er
noch sehr geführt werden. Und ein Schröter allein macht eben keinen Sturm! Insgesamt eine gerechte Teilung der Punkte.
SC Dynamo Berlin: Noske; Hofmann, Heine, Skaba; Maschke, Mühlbächer; Schmidt, Bley, Dorner, Schröter, Klingbiel BSG Motor Zwickau: Franke; Glaubitz, Beier, Wilde; Grüner, Dimanski; Tauscher, Matthes, Jura, Henschel (81. Seidel), Speth
0:1 Matthes (33.) 1:1 Klingbiel (37.)
Schiedsrichter: Neumann (Forst) Zuschauer: 4.000
Klaus Schlegel, Neue Fußballwoche, 19.09.1961

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