1909 machte ein Lehrer aus dem Sauerland den Anfang - Jetzt feierten Jugendliche und Fernsehidole den Jahrestag

Hagebuttentee "wie die Pest gehaßt"

VL-Stars beim Herbergsjubiläum

Von Carola Alge

Wasserspiele und die Maus-Show, Blues, Rock und Pop, Begegnungen mit Schauspielern, dazu ein Schuß Jugendherbergsromantik - das alles bot das Fest "Die Burg ruft" im sauerländischen Altena. Der Anlaß für die Riesenfete, die von mehr als 1000 Gästen besucht wurde: Das Deutsche Jugendherbergswerk (DJH) feierte "Geburtstag". Der WDR Siegen verlegte deshalb sein Studiofest ebenfalls dorthin, wo vor neun Jahrzehnten die erste Jugendherberge der Welt ihre Pforten geöffnet hatte.

Los ging's auf der Bühne im oberen Burghof mit der ungarischen Blues-Band "Benkö & The Blues River" und den "Juhnkes". Die Berliner, die sich selbst als "beste Coverband der Welt" bezeichnen, heizten ordentlich ein, bevor's die leiseren Töne gab. Ehemalige Gäste berichteten aus der Zeit, als Schlafsäle und Küchendienst zur Jugendherbergsübernachtung gehörten. Freya Tramperts Erinnerungen kreisen zum Beispiel immer wieder um Hagebuttentee, den sie schon als Kind "wie die Pest" haßte, und rot-weiß-karierte Bettwäsche. Positiv fällt dem "Verbotene-Liebe"-Star, ebenfalls Gast beim Burgfest, dagegen ein: "Man konnte in Jugendherbergen immer so schön flirten."

Die Idee, Jugendherbergen einzurichten, hatte 1909 Richard Schirrmann. Der Lehrer aus dem Sauerland war gerade mit seiner Klasse von Altena nach Aachen unterwegs, als ein Gewitter die Wanderer überraschte. Von einem nicht gerade gastfreundlichen Bauern abgewiesen, fanden die völlig Durchnäßten ihr Nachtlager in einer Dorfschule. In dieser Nacht faßte Schirrmann den Entschluß, Jugendquartiere einzurichten, womit drei Jahre später auf Burg Altena begonnen wurde. Mittlerweile gibt es im In- und Ausland 4500 Jugendherbergen, wobei das Deutsche DJH mit 604 Häusern der weitaus größte nationale Verband ist.

Grund genug zum zünftigen Feiern in nostalgischem Ambiente und für ein Geburtstagsständchen von der berühmten WDR-Maus. Die zog natürlich die vielen Kinder unter den Besuchern in ihren Bann. Fernsehbauer Klemens Schulte-Vierkötter brachte die Älteren mit "wahnsinnigem Rindfleisch" und singendem Spargel zum Lachen, und Sigo Lorfeo, der "Paolo Varese" aus der "Lindenstraße", berichtete von den Anfängen seiner Karriere, seiner Liebe zur Musik und schrieb fleißig Autogramme.

Mit Riesenbeifall empfangen wurden seine Kolleginnen Raphaela Dell (sie hatte Töchterchen Hannah "mit im Gepäck") und Freya Trampert. Den Auftritt von "Erika' und "Nina" aus der "Verbotenen Liebe" hatte der "Underground", ein Zusammenschluß von "VL-Junkies", die sich im Internet über ihre Lieblings-Soap austauschen, extra zu einem Sternmarsch auf Altena genutzt. Aus Berlin, Jena, Hamburg, Osnabrück oder Karlsruhe reisten die 20 "Burgfräuleins" und "Ritter der Neuzeit" an. Als sichtbares Zeichen ihrer Erstürmung befestigten sie ein großes Banner an der Burgmauer.

Lob für die Beiträge im "Underground" gab's von Raphaela Dell. "Dort lohnt es sich für unsere Rollenschreiber mal reinzuschauen", sagte sie im Talk mit Helga Michalzak. Gut gelaunt plauderten die beiden Darstellerinnen, von der WDR-Moderatorin unter dem Gekreische der Fans als "das hinreißendste Paar der deutschen Filmgeschichte" begrüßt, mit ihr über ihre Arbeit und ihre Liebesbeziehung in der Serie (O-Ton Freya Trampert: "Unsere Küsse sind keine Hollywoodküsse"). Wie die weitergehen soll, davon hatte ein junges Mädchen recht genaue Vorstellungen: "Ihr müßt heiraten - in Weiß."

Das "Geburtstagsfest" des DJH war spätestens hier ungewollt ein bißchen zur "VL"-Fete geworden. Zwei Stunden lang mußten Dell und Trampert ihre Signaturen auf Fotos, T-Shirts, Taschen setzen. Der Andrang am Autogrammstand war derartig groß, daß selbst Dancefloorstar Heath Hunter nebenan fast zum Nebenschauplatz geriet.

(Quelle: Neue Osnabrücker Zeitung v. 19.6.99)