18. März 1999

Tagebuch einer VL Süchtigen

BEFORE
Es begab sich am gestrigen Tage des Abends, daß sich drei tapfere Underground-Kämpen in die Domstadt Köln aufmachten, um den unbestrittenen Höhepunkt des TV-Daily-Soap-Jahres feierlich zu begehen. Ermöglicht wurde diese durch den unermüdlichen Einsatz eines Teils der Belegschaft, die schreibenderweise Karten für diese jährlich stattfindende Festivität ergatterten. Als *Location* verzeichnete die rosenbedruckte, namentlich gekennzeichnete Faltpappe den "Alten Wartesaal". Nun ja, die Anreise der Teilnehmenden war unterschiedlich lang, der Tag eigentlich zu kurz und zum Ende hin waren eigentlich alle irgendwie breit. Viel wichtiger war eigentlich auch sowieso der Abend bzw. der beginnende frühe Morgen Tags drauf. Immerhin hatte sich Gilligan das Auto- besser Spacemobil schlechthin, einen 15 Jahre alten Toyota Starlet, gepumpt und war mit der glücklicherweise voll funktionsfähigen Reisschüssel mit bergab immerhin beinahe 140 Sachen ins benachbarte Rheinland gefegt.

Zwecks Einstimmung und weil man ja auch schon mal so da war, begab sich das Triumvirat, welches sich in Teilen unbekannterweise zunächst an der Bahnhofsinfo und nicht -misson getroffen, in eine der örtlichen Touristenfallen und ließ sich diverse Getränke vorbeitragen und erwartete sehnsüchtig die Ankunft der eintrittversprechenden Karten in Form einer Dialogschreiberin nebst Anhang. So harrte man und wurde langsam unruhig. Doch die vom Captain zuvor verteilten IDs taten einen ersten Dienst und wiesen der heiß Ersehnten ihren Weg. Besagter Anhang entpuppte sich dann verblüffenderweise als Clarissas *Mädchen*. Der beständigen Begegnung mit Promis noch ungeübt muß allerdings zugegeben werden, daß sie nicht auf Anhieb erkannt wurde. Immerhin sichteten Morgaine und Gilligan am späten Nachmittag *Charly Schneider*, wie sie forschen Schrittes, tigerbehost und pelzbemäntelt, ganz die mondäne Galeristin, das feudale Domhotel enterte, welches soeben von Heidi Kabel und Inge Meysel verlassen wurde. Sowas kann durchaus einige seelisch bedingte Sichtverschlechterungen nach sich ziehen.

BEGINNING
Der Abend begann also recht erfreulich. Man begab sich zur *Location* und durfte am Eingang die erst kürzlich empfangene Faltpappe an durchaus *beeindruckende* Herren im schwarzen Zwirn und Knopf im Ohr wieder abgeben. Zwiellichtiges Halbdunkel umfing den gesteckt vollen Wartesaal, in dem sich das Rahmenprogramm in Form von Gayle Tufts, vergeblich bemühte auch nur annähernd adäquate Aufmerksamkeit für ihr wunderbares Programm zu erheischen. Zu sehr waren doch circa 90% der Anwesenden damit beschäftigt die Wartezeit bis zu Buffeteröffnung mit Kölschvernichtung und Gesprächen zu füllen.

Der Gang in einen Nebensaal ergab freie Sicht auf einen ganz schön hochgewachsenen Henning, einer an anderer Stelle großgewachsenen Kati, einen dreiteilig beanzugten Gero, einen Heino, der ganz zielsicher mal wieder Second Hand und Haute Couture kombinierte sowie einiger völlig unbekannter Darsteller aus verfeindeten Soaps wie z.B. Lindenstraße.

Man sah sich um, war geblendet von soviel blond der ungezählten Katidoubles und beschloß zunächst die Garderobe und dann die Bar einer Begehung zu unterziehen.

Derweil erfolgten im Saale zahlreiche Ehrungen für altgediente Darsteller mit Präsenten, als da waren, eine Bowlingkugel mit passenden Schuhen für Stoffel, wo wir doch eine Golfausrüstung soviel passender gefunden hätten, eine Erich Kästner Gesamtausgabe für Rabärbel und, man höre und staune, einen Einkaufsgutschein von Saturn für Clarissa, auf daß ihre höchst arythmische Vorstellung beim Auftritt des VL-Chors durch den Kauf zahlloser CDs ausgeglichen werden möge.

Überhaupt war Clarissa ganz sie selbst. Von der gelangweilten Gestik bis hin zu ihrer affektierten Mimik war alles da, was die wahre Herrin von Friedenau so liebenswert macht. Lediglich die Farbe des von ihr umhergetragenen Kostüms in einem erfrischenden Steingrau, war nicht ganz so farbenfroh wie gewohnt und erhofft.

Verblüffend dürftig auch die hochtrabend angekündigte Zusammenfassung der Highlights des Jahres. Die ganze Sache dunstete ebenso fix ein, wie Jackies legendärer Tropfen, der den heißen Stein zum Überlaufen brachte, gefeuert von Erikas scheitergehäuften Ehe, auf einen fünfminütige Zusammenschnitt diverse Knutsch- und Actionszenen.

Ein kurzer Plausch mit Gilligans Lieblingsblondine Kati ergab, daß auch Frau Landsmann alldieweil über einen Internet-Anschluß verfügt, den Weg bis ins Forum jedoch noch nicht gefunden hat. Lobend erwähnte Gilligan ihre neue Frisur und erklärte gleichzeitig, daß "die Belegschaft" sich schon ernsthaft Sorgen gemacht hätte, daß Kati an einer Hinterkopfglatze leiden würde. Das zeitigte erwartungsgemäß irritierte Blicke seitens Kati. Auf Nachfrage versichterte sie, daß auch ihr die Szenen, in denen sie nach Herzenslust herumzicken darf, die liebsten seien. Gilligan konnte noch so gerade Beherrschung walten lassen, sonst wäre vermutlich ein: "Ach, tatsächlich?" herausgerutscht. Gilligan sülzt Kati voll...

DURING
Seine besondere Würze bekam der Abend, als Morgaine und Gilligan die Gelegenheit bekamen, Erika ins Braun- und Nina ins, zugegebenermaßen entzückende, Blauauge blicken zu dürfen. Allerbester Laune präsentierte sich Freya, die versicherte, daß man sie schon irgendwo gewarnt habe, welche Ausmaße die E&N-Hysterie nehmen könnte, aber nie damit gerechnet hat, daß es SOLCHE Maße sein könnten. Bei Maßen fällt zudem ein, daß sie sich dem geneigten Partygast bzw. in diesem Fall wohl eher, äh, -gästin, in einem bodenlangen grauen Seidenkleid präsentierte, das eigentlich kaum Wünsche jedweder Art offen ließ. Lediglich die dazu getragenen, kürzlich in Mode geratenen, Turnschuhe irritierten gelinde gesagt. Aber nachdem Rabärbel, in gewohntem beige, auch mit so Dingern am Bein gesichtet wurde, beschloß jedenfalls Gilligan, daß es damit wohl dann so seine Ordnung haben müsse.

Erika, ebenso gut drauf wie ihre große Soap-Liebe, zeigte sich ganz in Leder *seufz* und Morgaine ward nur mit knapper Not in Schach gehalten. Frau Dell zeigte sich äußerst bewandert was die Internetaktivitäten des gemeinen Fans anbelangen und wollte sogar die Adresse vom Underground, welche ihr dieser Tage dann auch via s-mail zugesandt wird.

HIGHLIGHTS
Schon richtiggehend enttäuscht, daß der Abend offensichtlich so glatt und megaharmonisch ablaufen würde, sich langsam mit dem Gedanken vertraut machen müssend, zum ersten Mal in ihrem Soapleben eine Lobeshymne anstimmen zu müssen, harrte der harte Kern in Form von Morgaine und Gilligan bis weit über die 2 Uhr Marke aus. Und der Abend wurde noch so richtig interessant. Freya...

Die sich nun überschlagenden oder wohl besser ziemlich schwankenden Ereignisse deuteten sich schon an, als sich ein offensichtlich unpriesterlich hackenstrammer Patrick auf die, zunächst vom DJ besetzte, Bühne begab und lautgröhlend nach Miss Duracel Carolin verlangte, welche keine 70 Minuten zuvor ihren 30. Geburtstag zu feiern hatte. Die hatte aber offenbar besseres zu tun und wollte oder vermochte den schmucken Herrn an ihrer Seite nicht so schmählich verlassen, wie sie sich Stunden zuvor CW-Ersatz Sascha entwunden hatte, und verblieb in der hinterletzten Ecke der Tanzfläche. Derweil meinte ein noch weitreichender, quasi allumfassend alkoholisierter Dennis Patrick von der Bühne holen zu müssen, was lauthals von den hinter ihm stehenden Damen Morgaine und Gilligan verlangt wurde. Blöderweise intervenierte der DJ indem er das nächste Stück an- und Patrick demnach rein stimmtechnisch ausspielte. Es hätte alles SO schön werden können.

Der Abend schritt weiter fort und Gilligan nahm sich die Zeit die Leute intensiver zu sichten, ist sie doch mit einer erheblichen Kurzsichtigkeit geschlagen und wäre beinahe auf Milli getreten, die unmöglich wesentlich größer als 1 m 55 sein kann und sicherlich keine 40 kg ihr Eigen nennen kann. Gelang es Gilligan noch größeren Schaden vom großen braunen Kullerauge abzuhalten, man ist ja schon versucht zu sagen, da ist mehr Auge als Frau, war es Morgaine vergönnt, einer telephonierenderweise am Boden liegenden Kati einen Tritt in den Hintern zu applizieren. Versehentlich(!) natürlich.

Tja, was sonst noch geschah. Also es kann gesagt werden, daß Tanja lebt und sich auch unser Inder auf Probe Rajan, sowie Ramon, sich allerbester Gesundheit erfreuen. Rajan gab an diesem Abend voller Inbrunst Tanjas Pilotfisch und wich, eigentlich beständig in ihrem Kielwasser, niemals von ihrer Seite. Auch Ramon fand recht flux zu seinem besten Freund Frank und irgendwann ertappte sich Gilligan bei dem Gedanken, daß sich so langsam Soap und Leben nicht mehr so recht trennen lassen.

Sophie scheint aus L.A. zurück und hat offenbarlich Herrn Aminati gleich dort gelassen. Besser ist das. Außerdem wurde bemerkt, daß Ramona alias Gabriella wesentlich mehr Interesse an den schicken Frauen in ihrer Nähe zu haben schien, als an dem tragisch auf einem vereinsamten Barhocker plazierten blonden Barden CW, der ja allerneusten Chat-Forums-Gerüchten zur Folge schwul sein soll. Und so brodelt und munkelt's Allerorts und nicht Genaues weiß man. Jedenfalls konnte beobachtet werden, daß Ramona sich, mittig auf der Tanzfläche, zwecks Tröstung unbekannter Trauer, in die Arme einer weiblichen Person in ihrer Nähe begab, um geschlagene 30 Minuten nicht wieder hervorzukommen.

So gegen drei Uhr erschien dann noch eine strichdünne Anna, Florians Ex, die auf der anderen Seite so breit war, daß sie kaum durch's Eingangsportal von Friedenau gepaßt haben mag.

Highlight der späten Nacht und im Prinzip krönender Abschluß des Abends war dann defintiv der Versuch unseres Vorzeigeproleten Dennis, in volltrunkenem Zustand dem Traum meiner schlaflosen Nächte Nina Eiswürfel in den Ausschnitt zu stecken, welches mit einem lauten Kreischen und einer wilden Verfolgungsjagd über die Tanzfläche endete. Dabei muß man Nina attestieren, daß der fortgesetzte Konsum von Sekt ihrer Wendigkeit kaum Abbruch tat, was man von Dennis, der sich mit der Präzision eines Bulldozers durch die Menge wühlte, nicht gerade behauptet werden kann. Ergänzt wurde das ganze durch einen wild herumknutschenden Tillmann und seinem Adlatus Patrick, der mit Hilfe seines zur Peitsche degenerierten Gürtels einen zugegebendermaßen etwas verstört dreinblickenden Ulli auf der Tanzfläche vor sich hertrieb, auf der wenige Minuten zuvor Nina und der offbarlich quicklebendige Nils eine flotte Sohle gekonnt auf's Parkett gelegt hatten.

THE END
Doch irgendwann ist auch die tapferste Underground-Ritterin erschöpft und so beschloß Gilligan so gegen halb fünf, daß es an der Zeit sei die Übernachtungsstätte aufzusuchen, weil sonst hätte sie ja keine mehr gebraucht. Letztlich hat sich das aber auch nicht mehr wirklich gelohnt, da Oxalagu, die so freundlich war Gilligan Obdach zu gewähren, klausurgestreßt bereits um 8 Uhr sich anschickte sich zu erheben. Mit immerhin nicht ganz drei Stunden des dringend benötigten Schönheitsschlafes schmiß sich Gilligan, als überzeugte, kurzsichtige, kleinstädtische Radfahrerin tapfer mittels Reisschüssel in den brodelnden Stadtverkehr Kölns, um das Resttriumvirat erneut am Bahnhof zu treffen, auf das wir irgendwo Frühstück herbekämen. Das hat dann auch wider Erwarten problemlos geklappt und nach der Einverleibung eines sehr übersichtlichen Frühstücks unweit des Doms mußte Gilligan blöderweise den Captain und Morgaine alleine in der Rheinmetropole zurücklassen, um sich, original 70er Big Band Musik aufs Ohr schallend, zurück an den verweisten Arbeitsplatz zu begeben, weil so eine Diss sich aus unerfindlichen Gründen nicht alleine schreibt. Immerhin hat sie so nicht der Versuchung widerstehen müssen, die Finger vom Schokoladenbrunnen zu lassen, auf das das Projekt "Waschbrettbauch" endlich mal Formen annehme.