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Typische Fehlerquellen im Trennungskonflikt
- Erfahrungen aus der Selbsthilfe -
Zusammengestellt von Ralf Bergmann, Berlin

Bei der Arbeit mit Trennungsvätern (bisweilen auch -müttern) in der Selbsthilfe haben wir folgende Erfahrungen mit den Betroffenen gemacht, die weitergeben werden sollen.

"Wo ist Papa ?" - Aufrechterhaltung des Kontaktes

"Lara?" - "Hm !?"

"Sag mal, was meinst Du: Wenn die Eltern nicht mehr mit ihren Kindern zusammen wohnen, weil sie sich getrennt haben - was ist wohl das Wichtigste, was die Kinder sich von ihrem Vater wünschen ... ?"

"Na, dass sie dafür sorgen, dass sie ihre Kinder auch wirklich sehen ..."

Lara ist sieben, selbst ein Trennungskind, seit fünf Jahren sieht sie ihren Vater mindestens alle zwei Wochen.

Immer wieder machen wir die Erfahrung, dass der Kontaktabbruch zu den Kindern der wichtigste und entscheidende Punkt ist. Hier werden die Weichen für den weiteren, oft Jahre dauernden Konflikt gestellt. Lassen Sie es nicht zum Kontaktabbruch kommen - auf keinen Fall ! Stellen Sie sicher, dass Ihr Kind Sie mindestens alle zwei Wochen sieht - je jünger, desto öfter.

Viele Männer gehen heute - zumindest vorübergehend - dem nach wie vor herrschenden "Ruhe"-Argument auf den Leim: "Warten Sie ab, bis sich die Situation beruhigt hat ... Dann kann man weiter sehen ..." So oder ähnlich tönt es aus dem Mund von JugendamtsmitarbeiterInnen und RechtsanwältInnen - kein Wunder, denn damit ist der "Fall XYZ" erst mal wieder vom Tisch - Zeit für eine Kaffeepause.

Es kann gar nicht oft genug wiederholt werden: Sie sind wichtig für ihr Kind - egal, ob Sie vorher ein Bilderbuch-Papa waren oder ein vielbeschäftigter, gestresster Wochenend-Papa, der nur wenige Stunden für gemeinsame Freizeit zur Verfügung gestanden hat. Sie waren bisher ein fester Bestandteil im Leben ihrer Kinder - und Sie sollten es unbedingt bleiben. (Wen das so noch nicht überzeugt, dem sei die Lektüre des Beitrages von Wera Fischer "Wieviel Vater braucht ein Kind?" empfohlen.) Unterschätzen Sie Ihren Wert als Vater nicht, lassen Sie sich von niemanden aufs Abstellgleis stellen, geben Sie an diesem Punkt keine Ruhe. (Das gilt auch für den Fall, dass Sie den Kontakt verloren und Ihr Kind vielleicht schon seit Jahren nicht mehr gesehen haben. Selbst wenn Ihr Kind inzwischen volljährig ist: Es braucht Sie!)

Damit Ihre Bemühungen um die Aufrechterhaltung des Kontaktes nicht später gegen Sie verwendet werden können (durch Verdrehung von Tatsachen, Provokation von Auseinandersetzungen u. ä.), müssen einige Regeln eingehalten werden:

  1. Dokumentieren Sie Ihre vor- und außergerichtlichen Bemühungen um eine Einigung, auch und gerade zu diesem Punkt.
    Konkret heißt das: Brief an die Mutter mit der Bitte um Vereinbarung von Besuchszeiten - per Fax oder unter Zeugen übergeben oder per Einschreiben/Rückschein. In diesem Brief haben Vorwürfe - auch ansatzweise - nichts zu suchen. Bleibt das ohne Erfolg, können Sie diese Bitte u. U. noch über Dritte (Freunde, Verwandte, Großeltern oder Paten des Kindes) an die Mutter herantragen, auch das möglichst schriftlich oder mittels einer schriftlichen Bestätigung durch die Vermittlungsperson.

    Bleibt auch das ohne Erfolg, wenden Sie sich umgehend an das Jugendamt und bitten um Vermittlung. Der erste Termin dort sollte formlos sein, d.h. noch ohne schriftliche Bestätigung. Haben Sie den Eindruck, dass man sich dort für Ihr Anliegen nicht erwärmen kann, nehmen Sie zum 2. Termin einen Freund oder einen Begleiter aus einer Selbsthilfegruppe mit (siehe Adressliste) - das bewirkt meist einiges ... Spätestens nach dem 2. Termin erstellen Sie ein Gedächtnisprotokoll und senden es dem Jugendamt - auch das möglichst per Fax oder Einschreiben.
    Dieser Vorgang sollte insgesamt nicht länger als zwei bis drei Wochen dauern, betonen Sie, dass Sie eine weitere kontaktlose Zeit im Sinne der Kinder vermeiden wollen und lassen Sie Ihre Mitteilungen möglichst noch einmal von Dritten vor Absendung gegenlesen.

  2. Oft bleiben diese Bemühungen ohne Erfolg, Woche um Woche vergeht, auf Ihre Bitten erhalten Sie lange keine Antwort. Also setzen Sie in Ihren Schreiben Fristen, in dieser Phase nicht länger als acht Tage.
  3. Haben Sie nach drei Wochen nichts erreicht, sollten Sie spätestens jetzt Ihre Bemühungen auf Dritte, die Kontakt zu Ihren Kindern haben, ausdehnen (BetreuerInnen, Kindergarten-/Hortkräfte, Lehrerinnen) und dort mit der Bitte vorstellig werden, die Kinder dort sehen zu dürfen. Rechtlich sind Sie grundsätzlich auf der sicheren Seite, auch ohne gerichtlichen Beschluß. Betonen Sie dort, dass Sie nichts hinter dem Rücken der Mutter machen wollen, dass es aber leider momentan sehr schwierig sei - und deshalb bis zur weiteren Klärung vielleicht ein Kontakt unter Vermittlung dieser Personen ermöglicht werden könnte. Hier sollte Sie nach Möglichkeit auch einen Zeugen dabei haben.
  4. Geht man auch hier auf Ihre Bitte nicht positiv ein, sollten Sie - und das dann auf jeden Fall in Anwesenheit von Zeugen, die zu einer schriftlichen Bestätigung bereit sind - den direkten Kontakt zum Kind suchen: Gehen Sie in den Hort oder in die Schule und zeigen sich. Bringen Sie Ihrem Kind ein kleines Geschenk mit, trösten Sie es und versichern ihm, dass Sie bald wiederkommen.
    Gehen Sie dabei jeder Diskussion oder Auseinandersetzung aus dem Weg, beharren Sie aber auf Ihrem Wunsch, mit dem Kind kurz sprechen zu können. Und noch mal: Seien Sie nicht alleine.

  5. Von dieser Begebenheit informieren Sie umgehend das Jugendamt - natürlich wieder schriftlich, und natürlich wieder mit Beleg über den Eingang dort. Sie begründen Ihren Schritt damit, dass ja leider Ihre Bemühungen bisher ohne Erfolg geblieben sind.
  6. Umgehend anschließend fassen Sie den bisherigen Verlauf mit allen Ihren Bemühungen zusammen und beantragen beim zuständigen Familiengericht eine einstweilige Anordnung auf Umgangsregelung mit dem Kind - mindestens alle zwei Wochen, nach Möglichkeit mit Übernachtung bei Ihnen. Bieten Sie an, dass die Übergabe von Dritten begleitet wird, um Auseinandersetzungen mit der Mutter entweder aus dem Weg zu gehen oder diese zumindest von neutralen Dritten beobachten zu lassen. Hierfür kommen Beratungseinrichtungen oder Personen aus den Selbsthilfegruppen in Betracht, eventuell auch das Jugendamt selber, aber nur, wenn Sie dort jemanden gefunden haben, der Ihr Vertrauen genießt.
    Berichten Sie auch davon, dass Sie mit dem Kind Kontakt gehabt haben und dies auch für die Zukunft beabsichtigen, um beim Kind Verlustängste zu vermeiden.
    Auch in diesem gerichtlichen Antrag vermeiden Sie - verdeckte und ausdrückliche - Vorwürfe. Schildern Sie lediglich objektiv die Vorgänge.

Haben Sie diese Regeln beachtet, werden Sie mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit eine Umgangsregelung erreichen. Auch wenn diese zeitlich nicht zu Ihrer Zufriedenheit ausfallen sollten, akzeptieren Sie sie und führen das Verfahren weiter - hier geht es zunächst nur um die grundsätzliche Sicherung des Umgangsrechtes des Kindes.

Bei allen diesen Schritten sollten Sie die zweite Grundregel beachten:

Lassen Sie sich nicht provozieren !

Häufiger Grund für die Eskalation sind offene und verdeckte Provokationen durch die Mutter, durch JugendamtsmitarbeiterInnen, durch die AnwältIn der Mutter oder sonstige beteiligte Personen. Hier hilft nur eines: Gehen Sie denen nicht auf den Leim, denn der Zweck dieser Provokationen ist klar: Sie sollen die Munition liefern, mit der Sie später erschossen werden. Uns sind viele Fälle bekannt, in denen nach diesem Muster vorgegangen wurde. Es wird später nicht mehr gefragt, warum Sie sich aufgeregt haben. Selbst wenn Sie gute Gründe gehabt haben mögen - danach wird man nicht mehr fragen, es wird nur noch dastehen: Er hat zu Brüllen angefangen, er hat sich unmöglich aufgeführt, er hat geschlagen ... (selbst wenn es nicht stimmt oder Sie sich nur gewehrt haben) etc. pp.

Auch hier hilft es, grundsätzlich einen neutralen Dritten als Zeugen mit dabei zu haben. Ansonsten atmen Sie tief durch, zählen mindestens bis drei und wiederholen Ihr Anliegen, bieten bei Ablehnung Alternativen an, fragen beharrlich nach Gründen, warum man nicht auf Ihren Vorschlag eingehen will. Auch das soll später aufgeschrieben sein und wird an Jugendamt/Gericht weitergeleitet. Sie müssen in jeder Phase als bedacht, kooperationsbereit, gutwillig - aber trotzdem beharrlich in der Sache - erscheinen.

Sollten Sie trotzdem angegriffen werden, wenden Sie sich ab und gehen der weiteren Konfrontation aus dem Weg - auch wenn es verdammt schwer fallen sollte und Sie eindeutig "im Recht" sind. Ballen Sie ruhig die Faust - aber bitte in der Tasche.

Machen Sie Ihren Partner nicht schlecht

Alles was sich schriftlich oder mündlich von sich geben, sollte sich auf die Schilderung von Tatsachen beschränken (die belegt werden können, wenn Sie die oben angeführten Regeln beherzigt haben). Bedenken Sie, dass die an solchen Auseinandersetzungen Beteiligten tagtäglich von beiden Seiten zu hören bekommen, wie mies, hinterhältig, unkalkulierbar der jeweils Andere ist - die glauben das sowieso nicht. Wenn Sie aber nur Fakten schildern, können die "Entscheider" in Jugendamt und Gericht (und später eventuell beauftragte Gutachter oder Verfahrenspfleger) sich selbst ihre Meinung bilden.

Außerdem werden Sie - mehr oder minder - immer wieder auf die Kooperation mit der Mutter angewiesen sein. Je mehr negative Wertungen Ihre Äußerungen enthalten, desto mehr wird sie sich verletzt fühlen und sich darin bestätigt sehen, dass man mit Ihnen nicht kommunizieren kann. Diese Verletzungen werden noch nach Jahren bestehen und Ihnen dann vielleicht im Weg stehen. Auch das ist nur kontraproduktiv, meist sogar sehr schädlich.

"Das kann doch alles nicht wahr sein ..."

Wenn es geknallt hat, knallt es meistens richtig. Die Trennung ist der Ausbruch von lange schwelenden Frustrationen, Missverständnissen und Auseinandersetzungen. Jetzt beginnt die Neuverteilung, die Sicherung eines neuen Lebensabschnitts - und meistens sind Sie und Ihre ehemalige Partnerin sich überhaupt nicht über die weiteren Konsequenzen im Klaren ... Das erzeugt ein hohes Maß an Unsicherheit und damit Angst.

Angst wiederum führt - auf beiden Seiten - oft zu Reaktionen, die Sie sich vorher nicht haben vorstellen können und damit zu der Grundhaltung: "Das kann doch alles nicht wahr sein ... Wie kann die das und das bloß machen !?" Halt, wundern Sie sich nicht allzu lange ! Sehen Sie sich Ihren ehemaligen Partner doch mal in Ruhe an, mit allen seinen Defiziten und Ängsten. Frauen wissen in diesen Zeiten meist nur, dass sich trennen müssen und jetzt endlich auch wollen. Sie sehen aber meisten nicht, wie das alles funktionieren soll. Entsprechend sinnlos mögen Ihnen die Verhaltensweisen vorkommen.

Versuchen Sie sich an den Gedanken zu gewöhnen, dass Sie jetzt mit allen Schattenseiten des Anderen konfrontiert werden - eben als Resultat aus der Verunsicherung, oft auch aus schlechtem Gewissen (eventuell gibt es ja schon einen Nachfolger für Sie, der auch der "neue Papa" werden soll). Und bedenken Sie auch, dass die Mutter Ihrer Kinder gerade von den falschen Beratern "betreut" wird ...

Seien Sie aufmerksam, nehmen Sie alle Äußerungen ernst und tauschen Sie sich mit Ihren eigenen Beratern aus - und gehen Sie im Zweifel nicht davon aus, dass das "alles nicht wahr sein kann ...!?" Bleiben Sie auf jeden Fall nicht alleine! Holen Sie Rat von Freunden, professionellen Beratern und anderen Betroffenen - tauschen Sie sich aus.

"Alle sind verrückt - nur ich nicht !"

Die Mutter Ihrer Kinder will Sie nicht mehr sehen, dem Kontakt mit den Kindern werden laufend neue Hürden in den Weg gestellt, die auf dem Jugendamt kümmern sich nicht, Ihr Anwalt will erst mal Vorschuß in Höhe von 2.000 Euro, Ihre eigenen Eltern verstehen nicht, warum Sie so ein Theater machen, Sie hausen notdürftig in einem 30 qm-Appartment, den Anforderungen Ihres Jobs werden Sie - mehr schlecht als recht - gerade noch gerecht und Sie müssen Ihre Oberhemden selber bügeln ... Sie halten den Kopf trotzdem oben, weil Mann das nun mal so macht. Gut so!

Gegen alle Widerstände bleiben Sie am Ball und können nur noch feststellen: "Die sind doch alle verrückt !" Mag ja sein, aber was ist mit Ihnen? Glauben Sie tatsächlich, Sie stecken das alles so weg, all die Verletzungen, die ganze Ignoranz, das Unverständnis? Wundert es Sie nicht, dass Sie jeden Abend sechs Dosen Bier zum Einschlafen brauchen und morgens vor dem Frühstück noch drei Zigaretten geraucht werden?

Ich habe noch keinen Vater erlebt, der nicht (mehr oder weniger) in einen emotionalen Ausnahmezustand gerät. Denn: Ihre elementaren menschlichen Interessen werden mit Füßen getreten - und (fast) alle sehen unbeteiligt zu. Trotzdem reagieren viele Väter auf die Frage: "Wie steht´s mit Deinem Gefühlshaushalt?" mit der Antwort: "Mir geht es gut, ich mach das schon ... !" - Und ich glaube es einfach nicht. Eigentlich ist Ihnen zum Heulen zumute und das wäre eigentlich auch die normale Reaktion. Nur: Das trauen wir Kerle uns dann doch meist nicht ...

Ein selten beherzigter Hinweis: Sprechen Sie von Ihren Gefühlen, lassen Sie sich darauf ein, schimpfen Sie, kotzen Sie sich aus - denken Sie mal ganz intensiv an Ihre Kinder. Das können Sie zum Teil mit sich selbst aushandeln, aber auch ein guter Freund sollte ein offenes Ohr für Sie haben. In manchen Städten gibt es, meist in Form von Selbsthilfegruppen, angeleitete Gruppen von ebenfalls Betroffenen, in den auch Ihre Gefühle und Befindlichkeiten zum Thema gemacht werden können. Ganz "Mutige" können auch über eine Psychotherapie nachdenken, die ohne große Komplikation von den Krankenkassen bezahlt wird - sprechen Sie Ihren Hausarzt darauf an, vielleicht weiß er Rat.

Noch mal: Ihre Frustrationen und Verletzungen rächen sich irgendwann, wenn Sie Ihnen keinen Raum lassen. Sie werden über die Wochen, Monate und Jahre zunehmend verspannter, vielleicht sogar schrulliger und wahrscheinlich auch kranker - ohne es selber zu bemerken. Sie haben die Wahl, welche "Therapie" Sie wählen - nur wählen Sie irgendeine und spielen Sie nicht auf Dauer den "starken Mann".

"Aber ich will doch nur Vater bleiben ...!"

Seien Sie nicht naiv und glauben Sie nicht, dass die zukünftigen Entscheider über ihre Rolle als Vater diese grundsätzlich respektieren werden. Sie haben oft ein anderes, vorrangiges Ziel: Die Mutter in ihren ungefragt "berechtigten Anliegen" zu "schützen". Das heißt im Zweifel auch: Die Mutter fühlt sich unwohl, überfordert, bedroht ? Also ist doch jemand dafür verantwortlich ! ... Das kann doch nur der ehemalige Partner sein ... Schlussfolgerung: "Wie schützen wir die Frau vor dem Mann?"

In der öffentlichen Diskussion, in den Medien, tauchen Männer/Väter vorrangig als "Täter" auf (ist Ihnen noch nicht aufgefallen ?) - Ihre Rolle für die Kinder hat dagegen einen deutlich untergeordneten Stellenwert. Auch hier gilt: "Lacht die Mutter - lacht das Kind !" Diese Überzeugungen werden meistens nicht ausdrücklich so dargestellt, sie sind vielmehr allgemein gültige Lebensregeln, auf die sich die Entscheider (z.T. unbewußt) berufen.

Wundern Sie sich also nicht über die Gleichgültigkeit der "Entscheider", wenn es um Ihre Interessen und die Interessen Ihrer Kinder geht, was den Erhalt des Vaters angeht. In der traditionellen Vorstellung unserer Gesellschaft sind Sie nach wie vor einfach nicht zuständig für die Kinder - und das ist seit sehr langer Zeit so. Ob das ungerecht oder falsch ist, ist eine Frage der Ethik, der Moral - aber sie ist nicht entscheidend für die kommenden Auseinandersetzungen über die Kinder ...

Auch die neuen Gesetze bringen keine paradiesischen Zustände

Das sog. neue Kindschaftsrecht steht auf dem Papier - und das ist bekanntlich geduldig. Deutschland hat traditionell im internationalen Vergleich den Ruf eines kinderfeindlichen Landes - zu Recht ! Die Perspektive von Kindern, ihre Bedürfnisse und Wünsche spielen zunächst mal keine oder kaum eine Rolle. Zwar wird viel über Kinderrechte geredet, aber das sind meist nur Sonntagsreden. Und: Diese neuen Gesetze wurden gegen teilweise massiven Widerstand verabschiedet und viele JugendamtsmitarbeiterInnen und RichterInnen sind damit überhaupt nicht einverstanden. Weit verbreitet ist die Auffassung, dass man so weiter machen kann wie bisher: "Der Mutter die Kinder, dem Vater die Unterhaltspflicht." Neue Gesetze brauchen Zeit, bis sie in die Köpfe (und günstigstenfalls in die Herzen) der Menschen vordringen. Und: Die Gesetze arbeiten viel mit "unbestimmten Rechtsbegriffen", die jeder nach freier Überzeugung für sich "auslegen" kann. So versteht z. B. jeder etwas anderes unter "Kindeswohl".

Machen Sie sich trotzdem vertraut mit der neuen Rechtslage! Es gibt viele für Umgangs- und Sorgerecht des Kindes günstige neue Regelungen. Vor allem: Das Kind selber hat ein Recht auf Umgang und Streit zwischen den Eltern ist allein für sich kein Grund, um die gemeinsame Sorge aufzukündigen sprich: einem Elternteil Sorgepflicht und -recht wegzunehmen. Aber wundern Sie sich auch hier nicht, wenn man mit Unverständnis oder Ablehnung reagiert. Fragen Sie nach, weisen Sie hin - aber nicht mit der Überzeugung: "Das müssen die doch wissen und beachten ... !" - Denn: Auch in Bonn war man sich einig: Das neue Recht ist vor allem ein Appell.

"Meine Berater werden es schon richten ..."

Wollen Sie andere davon überzeugen, dass auch Sie in der Lage sind, für die Interessen der Kinder einzutreten, dass die Kinder ein Recht auf den Vater haben, eventuell Sie besser geeignet sind, in Zukunft vorrangig für die Kinder zu sorgen, müssen Sie selber überzeugend dafür eintreten, ein guter Elternteil zu sein - und Sie tragen selber dafür die "Beweislast". Auch die Delegation an einen verständigen Berater in der Jugendhilfe oder an einen Anwalt (und sogar Berater in den Selbsthilfegruppen) ändert daran grundsätzlich nichts. Diese können Ihnen "wohl gesonnen" sein, werden aber im Zweifel Ihre Interessen nicht oder nicht vollständig zu vertreten wissen. Denn deren Verhalten gehorcht anderen Regeln und Sachzwängen, von denen Sie zunächst keine Ahnung haben. Und es muß auch ganz deutlich gesagt werden: Es gibt eine Vielzahl von Beratern, deren Ratschläge und Empfehlungen schlicht falsch sind, die u. U. zur Eskalation beitragen können oder Ihre Position als Vater untergraben.

Bleiben Sie in jedem Fall selber zuständig für alle zu unternehmenden Maßnahmen - niemand kann Ihre Interessen besser als Sie selber vertreten. Das gilt auch für die Interessen Ihrer Kinder, denn Sie sind der Vater und nicht der/die BeraterIn. Das heißt konkret auch, dass zu verfassende Schriftsätze (z. B. durch den Anwalt) nicht abgesendet werden dürfen, bevor Sie nicht von deren Inhalt vollständig Kenntnis und die Möglichkeit zur Korrektur/Ergänzung haben. Will sich ein Berater sich darauf nicht einlassen, suchen Sie sich bitte umgehend einen anderen.

Auf das Thema Anwälte muß hier noch gesondert eingegangen werden: Viele Betroffene haben inzwischen den dritten oder vierten Anwalt bzw. verzichten inzwischen ganz auf anwaltlichen Beistand (Anwaltspflicht gibt es nur im Scheidungsverfahren, Sorge- und Umgangsrecht können auch dort abgetrennt werden und dann benötigen Sie auch dafür keinen Anwalt) - und haben viel (Lehr-)Geld bei den Vorgängern gezahlt. Oft wurden sie unvollständig oder falsch beraten, vielfach war auch die Erwartungshaltung an den Anwalt zu hoch, denn eine Trennungsauseinandersetzung ist - wenn sie streitig wird - hochkomplex und ein Jurist ist schnell mit der Aufgabenstellung überfordert. Auch muß man den Anwälten zu gute halten, dass ein Mandat über Prozeßkostenhilfe mit Sicherheit kein lukratives Geschäft ist; die "Streitwerte" für Umgangs- und Sorgerechtsverfahren sind sehr niedrig - da kann man schon unter diesem Aspekt nicht viel verlangen. Auch sind oft die Anwälte selber der persönlichen Überzeugung, dass die Kinder zur Mutter gehören - und handeln entsprechend.

Lassen Sie sich erfahrene Anwälte (vorrangig Fachanwälte für Familienrecht) empfehlen. Fast jede Betroffenengruppe kann von entsprechende Erfahrungen mit Anwälten berichten, hören Sie genau zu! Auch sollte der Anwalt Ihnen nach Schilderung des Sachverhalts ein schlüssiges Konzept vorschlagen, wie mit Erfolgsaussicht vorgegangen werden kann - was nicht zuletzt davon abhängt, welcher Richter in der Sache entscheidet. Und: Fragen Sie nach den auf Sie zukommenden Kosten (auch die der Gegenseite und den Gerichtskosten) und lassen Sie sich das unbedingt schriftlich geben, damit Sie nicht nach Monaten in Ohnmacht fallen, wenn Sie die Kostennote in den Händen halten.

Es gibt keine Patentrezepte

"Ich weiß jetzt genau, was ich machen muß !" Diesen Satz hören wir oft, zu oft.

Sie werden die Erfahrung machen, dass Sie nach jedem Gespräch mit an dem Verfahren Beteiligten oder mit anderen Betroffenen oder mit Beratern neue Erkenntnisse gewinnen, jedesmal "schlauer" werden. Dadurch sind Sie auch einer Art "Wechselbad" der Gefühle ausgeliefert, das schnell zu der Schlußfolgerung führt: "Jetzt weiß ich, was ich machen muß!" Dabei besteht die Gefahr, dass Sie vorschnell meinen, das "Patentrezept" gefunden zu haben und damit einen falschen oder nur den zweitbesten Weg einschlagen.

Es ist besser, Sie gewöhnen sich daran, dass Ihr Erkenntnisstand immer wieder neue Überlegungen notwendig macht. Seien Sie offen für neue Informationen und reflektieren Sie diese im Gespräch mit Freunden und/oder anderen Betroffenen, holen Sie die Meinung Ihres Anwaltes dazu ein.

Der einzige wirklich verläßliche Faktor sind Ihre Kinder. Orientieren Sie sich an der Frage: Was tut den Kindern gut bzw. was wird sie weniger belasten? Die Kinder haben zum Teil wesentlich offenere Sinne für die Vorgänge als die Erwachsenen, man muß ihre Signale nur zu deuten wissen. Das führt zum nächsten Abschnitt:

"Was ist bloß mit meinen Kindern los?"

Je nach Verlauf der Auseinandersetzungen zwischen den Eltern, werden Ihre Kinder Reaktionen zeigen - bis hin zur Ablehnung des Kontaktes mit Ihnen ("Das Kind will nicht ...", siehe auch hierzu den Beitrag von Wera Fischer). Sie werden oft Schwierigkeiten haben, sich diese Verhaltensweisen zu erklären. Regelmäßig werden z.B. Umgangsrechte (bis auf Null) reduziert, weil nach den Umgangszeiten die Kinder auffällig sind (Schlafstörungen, aufgedreht sein, Einnässen etc.) - obwohl dies "nur" Anzeichen für die Loyalitätskonflikte sind, in denen Ihre Kinder stecken. Die Interpretationen durch die Entscheider und professionellen Berater zeichnen sich in der Regel dadurch aus, dass die Kinder "zur Ruhe kommen" müssen - was meistens heißt: Weniger Kontakt mit dem Vater. Aber auch Sie selbst werden oft ratlos sein, warum Ihr Kind diese oder jene Auffälligkeiten zeigt.

Hören Sie genau hin, was Ihr Kind sagt bzw. sehen Sie genau hin, wie sich Ihr Kind verhält. Meist können Sie dann eine ganze Reihe von "versteckten Botschaften" entdecken. Im Vordergrund jeder Überlegung sollte die Erkenntnis stehen, dass Ihr Kind sich in der Regel darum bemüht, seine Liebe zu beiden Eltern leben zu dürfen und es darunter leidet, wenn es in die Konflikte hineingezogen wird - was gar nicht zu vermeiden ist - es ist vor allem eine Frage der Intensität. Vermeiden sollten Sie immer, gerade vor den Kindern, schlecht/abfällig über die Mutter zu reden, auch wenn es Ihnen in manchen Fällen schwer fallen wird. Gleichzeitig sollten Sie aber mit Ihrem Kind (altersabhängig) über die neue Situation reden, ihm Erklärungen anbieten. Denn: Viele Kinder machen sich selbst dafür verantwortlich, dass Mama und Papa streiten - und Sie haben die Aufgabe, diese Last von den schmalen Schultern zu nehmen. Vielleicht werden Sie überrascht sein, wie verständig auch schon jüngere Kinder sind, wenn man ihnen Erklärungen gibt.

Wenn Sie Zeit und Energie genug haben, lesen Sie einerseits Berichte von Trennungskindern, andererseits gibt es auch Fachliteratur zu diesem Thema, beispielhaft lege ich Ihnen das Buch von Helmuth Figdor, Scheidungskinder - Wege der Hilfe, 1997, ans Herz.

"Ein Gutachten wird klären, wer der Bessere ist ..."

In vielen streitigen Fällen wird vom Familienrichter ein psychologisches Sachverständigengutachten in Auftrag gegeben, um eine Entscheidungshilfe hinsichtlich der Sorge- und Umgangsfragen zu bekommen.

Hierzu könnte ein ganzer eigener Beitrag geschrieben werden, ich muß es bei einigen wenigen Hinweisen belassen: Gerade auch bei den Psychologen können Sie in der Regel von einer Mütterzentriertheit ausgehen. Erwarten Sie bitte erst Mal nicht, dass Sie sich einer Person gegenübersehen werden, die ein offenes Ohr für Ihren Anliegen hat. Machen Sie sich in den Betroffenengruppen schlau, mit wem Sie es zu tun haben werden, meist gibt es dort andere, die diesen Gutachter schon genossen haben und Sie vorwarnen können. Die Psychologen werden Sie anders betrachten, aber nicht unbedingt zu Ihrem Vorteil "bewerten". Gerade beim Gutachter sollten Sie es vermeiden, sich ausdrücklich negativ über die Mutter zu äußern, auch hier sollten Sie primär Fakten schildern. Und betonen Sie immer wieder, wie wichtig es Ihnen ist, den Streit aus Kinderperspektive zu sehen. Fragen Sie hierzu - ganz unbedarft - nach Rat, Psychologen werden gerne nach Rat gefragt. Und je nach Güte dieses Rates können Sie auch entscheiden, inwieweit dieser Mensch etwas in Ihrem Sinn wird tun können bzw. wollen.

Es ist äußerste Vorsicht geboten, denn ein einmal erstelltes Gutachten ist schwer aus der Welt zu bekommen, selbst wenn da nur dummes Zeug drin stehen sollte. Es gibt keinerlei Standards für die Erstellung von familienpsychologischen Gutachten - und entsprechend werden sie verfasst. Die Gutachten, die ich zur Lektüre bekommen habe, arbeiteten fast ausschließlich nach dem Gewinner-Verlierer-Prinzip - und Sie dürfen raten, wer regelmäßig der Verlierer war ...

Finanzen

Abgesehen von Anwalts- und Gerichtsgebühren kommen Kindes- und Ehegatten- bzw. Erziehungsunterhalt für die Ex-Partnerin auf Sie zu. Es ist sehr wahrscheinlich, dass Sie die nächsten Jahre als "Zahlesel" fristen werden - da bleibt kein Auge trocken ! Die juristischen Fachzeitschriften sind voll mit Gerichtsentscheidungen zu allen Fragen der finanziellen Auseinandersetzungen und es gilt die goldene Regel: "Zahlen soll er bis es kracht!" Und das gilt wirklich nur geschlechtsspezifisch.

Auch zum Thema Unterhalt könnten wir hier ein ganz eigenes Kapitel schreiben, hier nur so viel: Je früher Sie sich detailliert informieren, was da im Einzelnen auf Sie zukommt, desto besser können Sie sich darauf einstellen. Alle Ungerechtigkeiten im Sorge- und Umgangsbereich wiederholen sich hier. Denken Sie darüber nach, was Sie für die nächsten Jahre erreichen wollen und wie Sie das - unter Berücksichtigung der auf Sie zukommenden finanziellen Doppelbelastung - trotzdem erreichen können. Im Zweifel ist dabei weniger verdienen mehr. Aber Vorsicht: Die deutsche Rechtsprechung hält Sie an dem Standard fest, den Sie in den letzten drei Jahren vor der Trennung hatten, jedenfalls grundsätzlich. Auch hier gibt es Ausweichmöglichkeiten.

Trennung als Neuanfang

Zugegeben: Das klingt schon fast ein wenig platt. Aber es wird Ihnen einiges leichter fallen, wenn Sie in der Trennung von der Mutter Ihres Kindes nicht ausschließlich eine Belastung sehen. Können Sie nicht auch froh sein, dass die ständigen Auseinandersetzungen mit ihr nicht mehr tagaus tagein Ihr Leben bestimmen? Ist es denn ausgeschlossen, dass Sie vielleicht mit einer neuen Partnerin doch noch eine glückliche Beziehung werden leben können - und trotzdem ein "guter" Vater bleiben oder vielleicht sogar ein besserer werden?

Es liegt - vor allem - bei Ihnen.

ã www.vaeterberatung.de


Helmuth Figdor, Scheidungskinder - Wege der Hilfe
1997. 272 S. Psychosozial-Verlag - ISBN-NR: 3-932133-09-9 - Euro 19,90

http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3932133099/qid=1084606544/sr=2-1/ref=sr_2_11_1/302-6051853-1996835

Der Autor stellt sich in diesem Buch die Frage: Wie kann den Kindern konkret geholfen werden die Trennung ihrer Eltern zu bewältigen?

Auf der Grundlage seiner langjährigen Erfahrungen als Psychoanalytiker Kinderpsychotherapeut und Erziehungsberater beschreibt Figdor wie die Eltern ihren Kindern bei dieser Aufgabe helfen können; wie die angesichts neuer Partner der Eltern auftretenden Probleme zu lösen sind; auf welche Weise es professionellen Helfern gelingt die Eltern zu befähigen ihren Kindern die notwendige Hilfe auch wirklich geben zu können; wie man erkennen kann ob ein Kind darüber hinaus psychotherapeutischer Hilfe bedarf; und welche methodischen und technischen Gesichtspunkte in der Arbeit mit Kindern und/oder Eltern bedacht werden müssen.

Das Buch wendet sich zwar in erster Linie an professionelle Helfer (Therapeuten, Erziehungsberater, Sozialarbeiter, Familienrichter usw.) kann jedoch auch für persönlich betroffene Eltern eine große Hilfe sein.

Über den Autor: Helmuth Figdor (Jg.1948) Dr. phil., Universitäts-Dozent am Institut für Sonder- und Heilpädagogik der Universität Wien. Psychoanalytiker, Kinderpsychotherapeut und Erziehungsberater in privater Praxis. Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Psychoananalytische Pädagogik Wien.

"Das Buch ist mehr als ein marktgängiger Ratgeber. Es bietet wichtige, in die Tiefe der Gefühle gehende Einsichten, die der Verfasser aus professioneller Praxis selbst gewonnen hat und die er im Fundus des modernen psychoanalytischen Wissens verankert hat.
Die Lektüre ist ein Gewinn nicht bloss für Scheidungseltern und nicht bloss für Fachpädagogen, sondern für alle, die über die emotionale Welt der Eltern-Kind-Beziehungen belehrt sein wollen. Wissenswertes erfährt man auch über die Arbeitsweise der Institutionen, die an der Scheidung beteiligt sind.
" Rainer Fellmeth, Saarländischer Rundfunk

"Figdor zeigt in beeindruckender Weise umfassend die emotionalen Implikationen für alle am elterlichen Trennungs- und am möglichen familiären Reorganisationsprozess Beteiligten auf. Dies geschieht so einsichtig und folgerichtig, dass man geneigt ist, all denen, die eher kognitiv und rational "Scheidung light" favorisieren, die Lektüre des Buches und die Auseinandersetzung mit den Dramen der Gefühlsebene zur Pflicht machen zu wollen."
Bernhard Plois, Referat für Ehe-, Familien- und Erziehungsberatung der Diözese Osnabrück

Siehe auch online: Helmuth Figdor, Wege der Hilfe (2003) "Möchte man die vielen psychologischen, sozialen und juristischen Aspekte elterlicher Scheidung bzw. Trennung in einem Satz zusammenfassen, so könnte man sagen: Die Scheidung/Trennung ist für alle Beteiligten eine schwere Lebenskrise und zugleich eine große Chance: für die Erwachsenen eine Chance auf mehr Lebenszufriedenheit (alleine oder in einer neuen Partnerschaft) und für die Kinder die Chance auf bessere psychische Entwicklungsbedingungen (als in einem Konfliktmilieu). Von daher stellt sich für Eltern natürlich die Frage, was sie tun können, um diese Chance auch zu nutzen. - Die folgenden "Empfehlungen" sind nicht als Handlungsanweisungen zu verstehen, sondern sollen Eltern darauf hinweisen, worauf es ankäme." (...)


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