Evangelischer Pressedienst - epd-Dokumentation - Materialien 9/98, Seiten 80-93
Vortrag auf der Tagung an der Evang. Akademie Bad Boll, 9.-11. Dezember 1998: "Psychologie im Familienrecht - Bilanz und Neuorientierung"
Ursula Kodjoe, Dipl. Psych., Mediatorin
Studie von Clawar & Riflin zur Elternentfremdung
Einführung
Über das PA Syndrom, die aggressive feindselige Zurückweisung eines Elternteils durch sein Kind, wurde seit Januar dieses Jahres viel geschrieben und gesprochen.
Die Wissenschaftlichkeit des Konstrukts wurde angezweifelt, im Großen und Ganzen wurde es jedoch angenommen - aus den Rückmeldungen ging eindeutig hervor, dass alle scheidungsbegleitenden Professionen das Phänomen kennen und auch, dass sie die Unsicherheit teilen, wie damit umzugehen ist, wenn ein Kind sagt:
"Ich will meinen Vater nie wieder sehen, ich gehe nie mehr zu meiner Mutter".
Bislang wurde und wird das Problem häufig dadurch "gelöst", dass es aufgeschoben und ausgesessen wird und in der resignativen Erkenntnis endet: "Man kann doch ein Kind nicht zwingen..."
Dies geschieht auf der jahrelang erprobten, wenn auch nicht bewährten Basis und in Erweiterung des Glaubenssatzes:
"Wenn die Mutter nicht will, kann man nichts machen".
In der Kindschaftsrechtsreform hat sich nun auch die Forschungsevidenz niedergeschlagen, dass für die Entwicklung von Kindern beide Eltern gleich wichtig sind, auch und gerade wenn sie sich trennen. Die elterliche Sorge verbleibt nun bei beiden Eltern, die Kinder haben ein eigenständiges Recht auf weitergehende Beziehungen zu Vater und Mutter.
Aus den Entwicklungen in anderen Ländern ist bekannt, dass die Anzahl der gerichtsanhängigen Fälle von kindlicher Kontaktverweigerung mit der Beibehaltung der elterlichen Sorge bei beiden Eltern sprunghaft ansteigt.
Was geschieht da?
Aus dem Druck des Gesetzgebers, ihre elterliche Verantwortung weiterhin gemeinsam auszuüben, scheint bei nicht wenigen Eltern eine Reaktanz, ein Widerstand und ein Gegendruck zu entstehen, der auf die Kinder verschoben wird und sich bei ihnen manifestiert in der Koalition mit einem Elternteil und in der Alienation gegen den anderen Elternteil.
Bei allem Verständnis, das sich für die Elternentfremdung und die damit verbundenen psychodynamischen Vorgänge zu entwickeln beginnt, fehlt es bislang noch an Orientierungshilfen für die strukturierte Erhebung von Faktoren für Diagnostik und Intervention.
Familienrichter und Gutachter sind besonders mit Fragen zum Kindeswillen beschäftigt:
Psychosoziale Berufsgruppen sind besonders beschäftigt mit der Frage: Läßt sich die Beeinflussung rückgängig machen und wie läßt sie sich rückgängig machen?
Beide Berufsgruppen versuchen, einen Weg zu finden, damit von juristischer Seite die Weichen für die notwendig erscheinenden psychosozialen Interventionen gestellt werden können, um Kinder aus der Koalitionsfalle mit einem Elternteil zu befreien.
Hilfen beim Umgang mit diesen Fragen bietet eine Studie von Clawar und Riflin [1] , die zwischen 1978 und 1990 in Pennsylvania und verschiedenen anderen US-Staaten durchgeführt wurde.
Daraus möchte ich Ihnen einiges vorstellen:
Es handelt sich um eine Studie von 1.000 Fällen, die über 12 Jahre lief. 700 der Fälle mit programmierenden Eltern konnten vollständig in die Datenanalyse aufgenommen werden. Die Familien wurden zur Teilnahme an diesem Forschungsprojekt motiviert - über Rechtsanwälte. Familiengerichte, Therapiezentren, Kliniken oder nahmen aus eigenem Interesse heraus teil.
Der Altersrange der Kinder reicht vom Babyalter bis 20 Jahren. Die Kinderzahl reicht von 1 - 6 Kindern pro Familie (Median 2,5).
2/3 der Teilnehmer gehört der oberen Mittelklasse bis zur oberen Gesellschaftsklasse an. Die Ausbildung beider Eltern liegt dementsprechend über dem Durchschnitt.
In 3/4 der Fälle dominiert die Sorgerechtsproblematik, bei 1/4 Vorwürfe aktiver und passiver Kindesmißhandlung, Ausbildungs- und Umzugsproblematik.
In 90 % der Fälle konnten beide Eltern in die Untersuchung mit einbezogen werden.
Durchschnittlich wurden pro Fall 25 Stunden für die Evaluation verwendet. Der Range der aufgewandten Zeit bewegt sich zwischen 17 und 250 Stunden, je nachdem ob außer der Evaluation mit den Teilnehmern noch Mediation, Beratung oder Therapiesitzungen durchgeführt wurden.
Vorrangige Motivation bei dieser Studie war es, das Phänomen zu erhellen, welches Familienrichter, Gutachter, Rechtsanwälte, Verfahrenspfleger, Mediatoren, Therapeuten, Beratungsstellen und Eltern ständig berichteten und mit dem sie alle sich zunehmend auseinandersetzen mußten: die Programmierung von Kindern gegen einen Elternteil durch Methoden der Gehirnwäsche.
Kenntnisse über die nachfolgend referierten Themen werden als Voraussetzung benannt für die Deprogrammierung von Kindern. Über deren Durchführung und die Erfolgschancen wird jeweils nach einer sorgfältigen Anamnese der Familienbiographie entschieden.
Kenntnis der Themen und Inhalte der Programmierung
Das Forscherteam hat sich aus der Vielzahl der Begriffe auf die Verwendung von "Programmierung" und "brainwashing" geeinigt und auf folgende Definition:
Unter "Programmierung" wird ein System von Überzeugungen, Denkmustern und belief-Systemen des programmierenden Elternteils (im folgenden: pE) verstanden, die dieser im Hinblick auf den anderen Elternteil entwickelt oder "konstruiert" hat, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen.
Das Programm setzt sich aus Themen zusammen mit Anweisungen, Aufträgen und Botschaften, die dazu benutzt werden, Wahrnehmung, Denken, Gefühle, Meinungen, Werte, Einstellungen und Haltungen der Kinder zu beeinflussen und in der gewünschten Form zu verändern.
Gedanken und Verhalten des Kindes sollen unter Kontrolle gebracht werden, es soll sich in Gegnerschaft und Ablehnung einklinken. Dazu dienen Themen, die das positive Bild des anderen zerstören und die seine menschlichen, körperlichen, geistigen, emotionalen, sozialen und andere Fähigkeiten in Abrede stellen.
Komponenten der Programmierung [2]
Ideologische
| Religion: | Anstand, Abstinenz, Sittlichkeit, etc. |
| Persönliche Philosophie: | Mütterarbeit, weibliche und männliche Verhaltensweisen |
| Normen: | Richtig und falsch |
Sozialpsychologische
| Rache und Vergeltung: | Dafür soll er zahlen |
| Zurückweisung: | Ich bin nicht mehr gut genug |
| Ungerechtigkeit: | Nach allem, was ich für ihn getan habe ... |
| Kontroll-/Machtbedürfnis: | Dem werd' ich's zeigen! |
| Feindschaft: | Ich hasse alles an ihr |
| Verlust-Angst: | Wenn die Kinder zu ihm gehen, sehe ich sie nie wieder |
| Einsamkeit/Verlassenheit: | Wenn die Kinder bei ihm sind, bin ich endgültig ganz allein |
Bedürfnisse, Absichten und Ziele
| Einstellung: | Deine Stiefmutter war der Scheidungsgrund |
| Verhalten: | Kind geht nicht zum Vater wenn sie da ist |
| Absicht: | Kontakt zum Zielelternteil zu verschlechtern |
| Ziele: | einzigartige Beziehung zwischen Kind und pE |
Spezielle Themen/Inhalte
| Thema: | Unkooperatives Verhalten beim Zielelternteil |
| Inhalt: | Du braucht wirklich nicht auf Dad zu hören |
Brainwashing
Unter "brainwashing" wird die Auswahl und Anwendung bestimmter Techniken und Methoden verstanden, die angewandt werden, um das gewählte Programm durchzuziehen. Es handelt sich um einen Prozeß, der über eine gewisse Zeitspanne abläuft, gewöhnlich mit vielen Wiederholungen der relevanten Themen und Überzeugungen bis das Kind durch Verhalten und Einstellung beweist, dass es die Überzeugungen teilt.
Die Empfänger des Programms, hier die Kinder, können aktive oder passive Teilnehmer des Prozesses sein. Manche Kinder sind sich der Absichten des pE bewußt und machen aktiv mit, andere merken nicht, was mit ihnen passiert und bleiben in einem Zustand permanenter Verwirrung und Verunsicherung stecken.
Methodik
| Allgemein: | Negative Äußerungen über das physische Erscheinungsbild des Zielelternteils |
| Spezifisch: | Bei Abwesenheit des Kindes wird das Kinderzimmer betreten und die Fotos des Zielelternteils werden vernichtet |
Stufen der bewußten Wahrnehmung der Themen und Prozesse
Bewußt/beabsichtigt im Gegensatz zu unbewußt/ohne Absicht
| Bewußt/beabsichtigt: | Ich hasse sie [die Mutter], sie verdient es, ihre Kinder niemals wieder zu sehen |
| Unbewußt/unbeabsichtigt: | Eltern versäumen es, mit dem Kind über ihre schönen Zeiten zu sprechen, die es mit dem anderen Elternteil verbracht hat |
| Sprachliche Mittel | "John" (der Vater) ist am Telefon.
Der Gebrauch des Vater-Titels wird gelöscht |
| Teilnehmer (an der Programmierung) |
Eltern, Geschwister, Großeltern, Nachbarn, Rechtsanwälte, andere Berufsgruppen, Stiefeltern und andere |
Kenntnisse der angewandten Techniken des brainwashing [3]
Kenntnisse über Dauer
und Intensität des Beeinflussungsprozesses
Die Auswirkungen der Beeinflussung auf Denken,
Fühlen und Handeln eines Kindes hängen in hohem Maße davon
ab, wie lange und wie intensiv ihm eine bestimmte Thematik vermittelt wurde.
Kinder, denen auf allen Ebenen und von klein auf immer wieder "bewiesen"
wird, dass sich ein Elternteil nicht für sie interessiert, sondern
aus rein egoistischen Gründen hin und wieder auftaucht, werden diese
Konstruktion verinnerlichen. Sie sehen die Beziehung in diesem Licht und
interpretieren alles was passiert und nicht passiert entsprechend. Hier
ist die Deprogrammierung nicht nur schwierig sondern möglicherweise
aussichtslos.
Kenntnis der Motive des Programmierenden
können hilfreich sein für den Prozeß der Deprogrammierung. Häufig sind sich Kinder der Motive des pE bewußt und erzählen davon. Meist handelt es sich um "Informationen", die sie erhalten haben über den aE und die im direkten Gespräch mit dem pE bestätigt werden können: "Mein Vater ist ein Lügner". Die Untersuchung ergab, dass die Hälfte der Kinder über die sozialen Ziele und Motive der Programmierung Bescheid wußten, entweder weil sie sie durchschauten oder weil sie ihnen offen benannt wurden. Die andere Hälfte der Kinder kann auf Befragen nur ausweichend oder altklug nachplappern: "Ich weiß das einfach", "Weil meine Mama mich nie anlügt ist das so".
Die aus tiefer Verletztheit resultierenden
Rachegefühle sind von vielen Autoren beschrieben und gewürdigt
worden. Am Wallerstein-Institut stehen Verletztheit und Verletzlichkeit
an oberster Stelle bei der Arbeit mit betroffenen Eltern. Es sind folgende
Faktoren, die mit zur Unversöhnlichkeit beitragen aus der Verstörung
heraus, zurückgewiesen worden zu sein:
die Unmöglichkeit, eine Versöhnung
auch nur zu versuchen; von der Trennungsentscheidung überrumpelt worden
sein, unmittelbar ersetzt worden sein durch einen anderen Liebespartner.
In der Folge kann sich daraus die Programmierung der Kinder entwickeln.
Für die Evaluation ist es daher hilfreich, eine Liste der Motive herauszuarbeiten:
| Rache | für Zurückweisung, Ungerechtigkeit |
| Selbstgerechtigkeit | "Ich bin der einzig gute Elternteil" |
| Angst, das Kind zu verlieren | emotionaler Verlust |
| Festhalten an der Familiengeschichte | "Er hat sich früher auch nicht gekümmert" |
| Besitzdenken | "Mein Kind gehört mir, ich habe es geboren" |
| Eifersucht | bei Wiederheirat auf Kind-Stiefelternbeziehung |
| Unterhalt | "Ich bin arm, wenn du bei ihm lebst" |
| Identitätsverlust | bei traditioneller Rollenverteilung |
| Distanzbedürfnis | keine Trennung Eltern-Kind-Bedürfnisse |
| Selbstschutz | Alkoholismus, Drogen, Mißbrauch, Kriminalität |
Evaluation von Art und Stärke des angerichteten Schadens
Die Auswirkungen von Elternentfremdung können auf einem Kontinuum gesehen werden von leichteren Schäden für die Persönlichkeitsentwicklung und die Beziehungsfähigkeit bis zu deren Zerstörung. Abhängig sind sie von der Art des Programms, den angewandten Techniken, der Intensität und Dauer, dem Alter des Kindes bei Beginn der Beeinflussung, seinen eigenen inneren und äußeren Ressourcen und der Anzahl weiterer negativer oder positiv gegensteuernder Personen seines Umfelds.
Verlust nicht nur der intakten Familie, sondern eines Elternteils und dessen Familie ist hier der dominante Faktor. Angst vor weiterem Verlust die unmittelbare, oft lebenslang andauernde Folge. Für die Deprogrammierung wichtige Informationen werden schrittweise erhoben über [2]:
Auch die Eltern können vielfältige Reaktionen entwickeln: Viele abgelehnte Eltern berichten über zunehmende psychosomatische Störungen, Beziehungsprobleme und psychische Probleme wie Depressionen, Aggressionen und Einschränkungen in ihrer sozialen Kompetenz. Auch die verzerrte und verengte Wahrnehmung des pE kann zu erheblichen sozialen und psychischen Einschränkungen und zu einer generellen Minderung der Lebensqualität führen. Durch eine sorgfältige Erhebung können zielorientierte Hilfepläne entwickelt werden für Kinder und Eltern gleichermaßen.
Evaluation möglicher Ressourcen
Ressourcen der Beziehungen sind primär zu suchen bei beiden Eltern (Möglichkeiten von Kooperation, Fähigkeit zwischen eigenen Bedürfnissen und Kinderbedürfnissen zu unterscheiden), im Umfeld der Familie (Geschwister, Freunde, Lehrer) und bei den professionellen Systemen (Kooperation der Anwälte, Unterstützung durch einsichtige Richter und bei den Beratungsstellen. Für religiöse Eltern kann die Hinzuziehung eines Pfarrers oder Priesters hilfreich sein, der ihr Vertrauen genießt.
Herstellen von Rapport zu den Kindern
Kinder, die in symbiotischer Koalition mit einem Elternteile leben, sind mißtrauisch gegen jeden, der in ihre WIR-Welt einbricht. Gleichzeitig sehnen sie sich nach der Befreiung aus der erstickenden Beziehung. Rapport herstellen erfordert primär Zeit für das Kind und mit dem Kind. Eine freundliche, warmherzige, vertrauensvolle Beziehung ist erforderlich, um dem Kind eine Öffnung zu ermöglichen.
Die Grundprinzipien aus der non-direktiven Kindertherapie [4] helfen, dieses Ziel zu erreichen. Die eigene Einstellung zum Kind bestimmt den Annäherungsprozeß: Die Fähigkeit, jedes Kind so anzunehmen wie es ist, es nicht zu bewerten, ihm nichts einreden zu wollen, seine eigenen Fähigkeiten zu würdigen und seine Gefühle zu erkennen.
Kenntnis der Risiken eines Deprogrammierungsprozesses
Der pE wird auf jeden Versuch reagieren, die symbiotische Beziehung seines Kindes an ihn zu lockern und eine normale Beziehung zum anderen wieder zu ermöglichen. Eine begonnene Therapie kann abgebrochen werden, noch bestehende Kontakte endgültig verhindert werden, in jedem Fall muß eine Entscheidung getroffen werden, die die Risiken des Eingreifens gegen die Risiken des Nichteingreifens gegeneinander abwägt. Es ist gewöhnlich langfristig schädlicher für Kinder, gewaltsam getrennt von einem Elternteil in einer verzerrten Welt verharren zu müssen, als kurzfristig durch einen Prozeß zu gehen, der die Beziehung zu wenigstens einem EIternteil normalisiert.
Einige Faktoren sind hier besonders zu berücksichtigen:
Unter die Risikofaktoren fallen auch die
"shutdown messages", die den Kindern eingetrichtert wurden: "Du
erzählst niemandem, dass ..." Dies geschieht häufig durch
Drohungen: Etwas Entsetzliches passiert, wenn jemand davon erfährt.
Dem Kind wurde außerdem vermittelt,
dass es niemandem außer de pE irgend etwas glauben kann: "Laß
Dir von niemandem einreden, deine Mutter wolle dich wirklich sehen - wir
beide wissen das besser." Wenn Kinder etwas zu erzählen beginnen
und plötzlich abrupt in Schweigen verfallen, kann dies ein Hinweis
sein auf eine einprogrammierte Botschaft.
Erkennen des "point of no return"
In 1% der Fälle dieser Studie konnte das Programm nicht durchbrochen werden. Die Kinder hatten die verzerrte Wahrnehmung des pE zur Basis ihrer eigenen Wahrnehmung gemacht, seine Weltsicht zu der ihren. Eine positive Veränderung und Öffnung für andere Realitäten war nicht zu erzielen. Sieben Faktoren können Hinweise geben auf eine relative Aussichtslosigkeit therapeutischer Interventionen [2]:
Es stimmt optimistisch, dass es NUR etwa 1% sind, bei denen die Schädigung irreparabel zu sein scheint und dass offenbar bei konstruktiver, kompetenter Zusammenarbeit in den anderen Fällen Lösungen erarbeitet werden konnten.
Veränderung der kindlichen Umwelt
Als allgemeingültige Regel wurde nach 12 Jahren aus den Erfahrungen abgeleitet, dass die Herausnahme des Kindes aus dem programmierenden Umfeld und erweiterter sozialer Kontakt des Kindes mit dem aE die erfolgversprechendste positive Methode ist, ein Kind zu deprogrammieren.
Diese Maßnahme geschah dann durch die Gerichte, wenn sie zu der Überzeugung gelangt waren, dass die Entwicklung des Kindes gefährdet ist und bleibt, solange es mit demjenigen Elternteil lebt, der ihm den Zugang zum anderen verstellt.
Dabei wurde die erstaunliche Entdeckung gemacht, dass für die Kinder der übergangslose Umzug von einem Elternteil zum anderen die geringsten Probleme bereitete. Im Gegensatz dazu stehen die Bemühungen von Fachleuten, einen "weichen" Übergang zu schaffen, die Kinder zuerst bei einem nicht programmierenden Familienmitglied unterzubringen mit viel Kontakt zum aE, sie vorübergehend in ein Internat zu geben oder in ein Heim einzuweisen. Damit wird häufig der vom pE gewünschte Eindruck noch bestätigt, der aE sei doch "irgendwie gefährlich".
Die Bereitschaft vieler betroffener Kinder, umzuziehen, kann im Zusammenhang stehen mit ihrem Wunsch nach Hilfe, den 30% verbalisierten.
Zum Abschluß einige Statements (zur Anregung der Diskussion)
Festgestellt wurde...
... die evidente Verbreitung von programmieren und brainwashing bei Partnertrennung, Ehescheidung, Sorgerechts- und Umgangskonflikten, physischem, psychischem und sexuellem Mißbrauch und in anderen sozialen Krisensituationen.
... die Häufigkeit und die Qualität von seelischen Kindesmißbrauch im Elternkampf und die große Zahl von Kindern mitten im Elternstreit, denen dadurch ihre "normale" Kindheit genommen wird.
... die Co-programmierenden Verhaltens- und Vorgehensweisen einiger Rechtsanwälte und anderer Professionen wider besseres Wissen.
... die Anzahl von Angehörigen scheidungsbegleitender Professionen, die das elementare Bedürfnis des Kindes nach beiden biologischen Eitern nicht realisieren. Das wurde beim Lesen von hunderten von Berichten festgestellt, in denen die Eltern-Kind-Trennung von Angehörigen verschiedener Professionen (juristischer wie sozialpsychologischer) noch gefördert wurde.
... dass 80% der Programmierer und "brainwasher", die bei Gericht nicht durchkommen, den Anwalt feuern, den Richter als gekauft und den Gutachter als befangen ablehnen.
... dass dieselben auch nach richterlicher Intervention ihr Verhalten nicht ändern, wenn keine ernstzunehmenden Sanktionen angedroht und auch konsequent durchgeführt werden.
Forschungsfelder
Die große Vielfalt der von den programmierenden und betreibenden Personen angewandten Techniken, mit denen sie ihre Botschaften, einbringen.
Die kollusive Art und Weise von einigen Familien, wie sie ein Umfeld schaffen, in dem dieser Prozess stattfinden kann. Wir haben eine Vielzahl von Ersatz-Programmierern entdeckt.
Die Zahl und der Typus von Personen, die als Ersatz-Programmierer und zur Gehirnwäsche beitragen (Tanten, Onkel, Geschwister Großeltern, Freunde, Lehrer, Fachleute und andere).
Die hohe Vorhersehbarkeit der einzeln aufeinanderfolgenden, ritualisierten Programmierungs- und Gehinwäschemuster sowie die Art der verwendeten "Drehbücher".
Der Grad (30 %) zu dem Kinder zu Spionen für die programmierenden und/oder Gehirnwäsche betreibende Person gemacht werden, geschieht in der Absicht, finanzielle, soziale, auf die Wohnsituation bezogene, sexuelle und Informationen zu sammeln.
pE = programmierender Elternteil
[1] Stanley S. Clawar, Brynne V.Riflin: Children held hostage. Section of Family Law. American Bar Association, 1991.
[2] Clawar & Riflin, S. 5-6. Übersetzung, Zusammenfassung und Beispiele von der Verfasserin des Artikels.
[3] Johnston, J.R, (194a) High-conflict divorce. The future of children, Children and Divorce, 4 (1)
[4] Virginia M. Axline, Kinder-Spieltherapie im nicht-direktiven Verfahren, Ernst Reinhard Verlag, München 1980
Ende der Dokumentation im Workshop-Band des epd
Anlage zum Vortrag, verteilt auf der Tagung:
Auszug aus dem Buch von Prof. Dr. Richard A. Gardner "The Parental Alienation Syndrome", Second Edition, 1998: Auf den Seiten 127-130 findet sich Gardners Darstellung der klinischen Studie des elterlichen Entfremdungssyndroms von Clawar & Riflin (1991) mit 700 Probanden.
CLINICAL MANIFESTATIONS OF THE PARENTAL ALIENATION SYNDROME IN THE ALIENATING PARENT
GENDER DIFFERENCES IN PARENTAL-ALIENATION-SYNDROME INDOCTRINATORS
Over the years, my experience has been that mothers are much more likely than fathers to induce a parental alienation syndrome (PAS) in their children. It is not that fathers are not trying, but they have been far less successful. It was this gender difference that provided me with additional insight into the causes of the PAS, and it has had implications for my recommendations. This observation has subsequently been confirmed by others. In 1994 I sent out a questionnaire to approximately 50 mental health and legal professionals who I knew had direct experience with PAS families. I asked them a simple question:
What has been your experience regarding the gender ratio of PAS inducers, i.e., mothers/fathers. Only one respondent stated that the ratio was 50/50. All the others described a preponderance of mothers over fathers, with ratios varying from 60 percent mothers/40 percent fathers to 95 percent mothers/5 percent fathers.
The same preponderance of mothers over fathers has been described in the literature (Rand, 1997a; Turkat, 1994,1995; Wallerstein and Kelly, 1980). The ratio of mothers over fathers is even greater when a sex-abuse accusation is incorporated into the PAS (Blush and Ross, 1987,1990; Ross and Blush, 1990; Thoennes and Tjaden, 1990; Wakefield and Underwager, 1990). It is important to note, however, that physical abuse of children is much more commonly perpetrated by fathers than mothers. We see here gender differences in the style by which a parent may act out hostility. Women, being the "weaker sex," are more likely to use verbal and psychological methods, whereas men, being the "stronger sex," are more likely to utilize physical methods.
Many authors (Clawar and Rivlin, 1991; Johnston, 1993; Johnston and Campbell, 1988; Wallerstein and Blakeslee, 1989; Wallerstein and Kelly, 1980) have described the increased likelihood of a parent's becoming the target of a PAS if the marital breakup results from the rejection of a spouse in favor of a new partner. The rejecting parent is viewed as responsible for the marital breakup and therefore worthy of all the scorn heaped upon him (her). But even in situations in which a new partner has not precipitated the marital breakup, the subsequent appearance of a new partner may engender great rage in the other parent, rage that fuels the PAS.
Clawar and Rivlin (1991) studied 700 programming/brainwashing parents and categorized their most common techniques, e.g., threat of withdrawal of love, "I´m the only one who really loves you"; denial of the existence of the estranged parent, etc. In 11 of 12 categories the fathers were significantly less likely than the mothers to utilize the alienating maneuver. For example, threat of withdrawal of love was used by 5 percent of males and 42 percent of females. Their studies provide important confirmation of my observation, and that of others, that mothers are far more likely than fathers to program their children against the targeted parent. Clawar and Rivlin devote a chapter of their book (pages 155-162) to this important distinction. Their study of 700 subjects reveals that 4-85 percent of females were likely to be programming their children as opposed to 2-25 percent of males. The authors enumerate the factors they consider operative in the predominance of females over males. I comment here on some of the factors that Clawar and Rivlin considered operative in this gender disparity.
1. Birthright The fact that the woman gave birth to the child and suffered the pain of delivery is considered justification for the programming.
2. Proprietary-Exclusionary Perspective The mothers profess the strong opinion that they—by virtue of the fact that they are women—should more justifiably be considered the primary custodial parent. "The children are mine, not his." These mothers clearly are proponents of the tender-years presumption.
3. The Family and Women Are Synonymous Males are viewed as extraneous, as second-class citizens, and the family is viewed as basically matriarchal.
4. Female Identity and Parenting The woman is more likely to identify herself as the child rearer than her husband. The loss of a child, for such a woman, means the loss of her identity, a loss of her raison d'etre.
5. Financial Support Needs This factor relates to the fact that women, following separation, are far less financially secure than men, especially because their earning power is less. Under such circumstances, spending more time with the children, by achieving primary custodial status, justifies requesting and even demanding more money from the estranged husband.
6. Lack of Other Resources This factor refers to the sense of impotency that women generally suffer in comparison to men in the realms of career, social status, and the acquisition of skills. The custody conflict becomes a power struggle regarding who is the stronger one, and PAS programming is in the service of this goal.
7. Continuity and Family History This element refers to the deeper bonding mothers generally have with the children as compared to fathers. This is the result of the fact that they are more available to children, are primary figures in the children's upbringing, and should therefore continue in that regard, the divorce notwithstanding.
8. Negative Opinions of Men's Capacity to Parent Here reference is made to the belief that women are innately and biologically superior to men in the child-rearing realm. These women hold that men are not as sensitive as women to the emotional, social, and physical needs of children. Although this is not the "politically correct" thing to say in the late 20th century, I am in agreement that women do have a genetically determined superiority to men in the child-rearing process. Men, in contrast, are superior to women on the battlefield, not only because of greater strength and muscle mass but because they are less concerned with sympathy and empathy, qualities that are at a definite disadvantage on a battlefield. There has been selective survival in both sexes of these particular qualities. I have described this in greater detail elsewhere (Gardner, 1991b, 1991c, 1992c, 1996a).
9. Peer-Group Expectations In our society, women are expected to be the child rearer, the primary caretaker, and a father's trying to usurp this role may cause the woman to feel she will be socially stigmatized.
10. Fear of Another Loss Loss of the husband is grievous enough. Loss of the children adds formidable pain to this grief. Accordingly, the battle for the children becomes a battle to protect oneself from further loneliness and the erosion of self-esteem.
11. Desire to Move or Leave a Geographical Area Sharing the children can be very problematic if one wants to relocate. Obtaining primary and exclusive custody increases the likelihood that the mother can enjoy both: relocation and the children.
12. Desire to Create a New Family This factor operates when the mother has a male replacement for the father. This situation increases the likelihood that she will exclude the father and encourage the children to view his replacement as the "real" daddy.
13. Opportunity Because women have more time available with the children, they have more opportunity to brainwash them.
The preponderance of mothers as PAS programmers does not preclude my observation that on occasion (in about 10 percent of cases) it is the father who is the successful alienator. It would be an error for the reader to conclude that my frequent designation of the mother as the alienator and the father as the targeted parent represents sexist bias on my part. Rather, it is merely a reflection of my own clinical observations and experiences as well as those of others who work in the field. It also would be an error for the reader to conclude that my belief that mothers, more often than fathers, are the active contributors to the brainwashing components necessarily implies condemnation of these women. Actually, as I will discuss later, I am in sympathy with most of these mothers and believe that they have been shortchanged by the aforementioned recent developments regarding the criteria courts use for deciding custodial preference. The reader will note that I use the word most. I did not say that I am in sympathy with all of these mothers. Some are very vicious and cruel, and their sadistic treatment of the father has no justification and does not evoke any sympathy at all in me. I will also describe situations in which fathers are the primary programmers and mothers are subjected to the children's deprecations. Fathers, too, vary with regard to my degree of sympathy, depending upon their cruelty and the amount of unnecessary grief they visit upon their families. Turkat (1994, 1995) considers the female/male ratio to be so high that he refers to the PAS as the "malicious mother syndrome."